Alles, was ich besitze, ist mit Erinnerungen verknüpft, auch der graue Schal mit dem Rosenmuster. Einmal, in einem Restaurant, war er mir von den Schultern gerutscht. Ich bemerkte es nicht, bis Du ihn aufhobst und ihn mit einer fast zärtlichen Geste nicht um meine Schultern, sondern um die Stuhllehne legtest. Deine Kultur erlaubte es Dir nicht, mich zu berühren, bzw. ermöglichte es Dir nur in einem bestimmten Kontext.

Lupin

„Und vergiss bitte niemals: die Wahrheit findet sich immer in den Bibliotheken.“ schreibt Assanes Vater vor seinem Tod an seinen Sohn. Assane Diop, Sohn senegalesischer Einwanderer, ist Reinigungskraft im Louvre. Jede Nacht bewegt sich die Putzkolonne zwischen Kunstwerken von unschätzbarem Wert. Eines Tages wird eine Versteigerung angekündigt. Versteigert wird ein Collier, das der Königin Marie Antoinette gehört haben soll. Wenn Sie jetzt an die Halsbandaffäre oder an Dumas‘ Collier der Königin gedacht haben, liegen Sie richtig, und auch Arsène Lupin, der Gentleman-Gauner, spielt eine Rolle, und zwar eine große, denn schließlich ist die Serie (nicht ohne Grund) nach ihm benannt.

Assane plant einen Coup, und schnell stellt sich heraus, dass er – wie soll ich es ausdrücken – für die Putzkolonne deutlich überqualifiziert ist. In Rückblenden wird seine Geschichte und die seines Vaters erzählt, parallel dazu klärt sich die Verbindung zwischen ihm und der Familie, die das Collier der Königin besitzt…

Die Serie scheint mir sehr gut in unsere Zeit zu passen. Sie behandelt Klassenunterschiede, Machtmissbrauch und Korruption, Themen, mit denen wir uns nicht nur im Film beschäftigen sollten.

Übrigens soll die Figur des Arsène Lupin ein Vorbild in der Realität gehabt haben: Marius Jacob. Für den hätte ich möglicherweise gewisse Sympathien entwickeln können.

(Sie wissen ja, ich habe mein Netflix-Abo aufleben lassen, aus Gründen. Gelegentlich findet sich auf Netflix eine wunderbare Kleinigkeit wie „Lupin“.)

Anderswo

Ist Mastodon ein sicherer Ort für Jüdinnen und Juden, fragt Chaim

Grete Weil war eine, die mich als Schriftstellerin und als Mensch sehr beeindruckt hat (wobei ich den Menschen Grete Weil ja auch nur aus ihren Büchern „kannte“).

Juna über den Schmerz.

Falls Sie auch einmal Mühe haben sollten, die richtige Grußformel für Ihren E-Mail-Verkehr zu finden, hier eine Inspiration. (Es juckt mir in den Fingern.)

Carmen Ledesma por soleá.

Ein dummes Gesicht

hätte ich heute gemacht, wenn ich gestern tatsächlich meinen Laptop im Büro gelassen hätte.

Heute nämlich gönnte sich meine U-Bahn eine mehrstündige Betriebsstörung, was – wenn ich nicht vorsichtshalber auch gestern den Laptop mit nach Hause genommen hätte – dazu geführt hätte, dass ich am einen Ende der Stadt und mein Arbeitsgerät am anderen gewesen wäre.

Beim Einkaufen nach der Arbeit wollte mir die PIN meiner EC-Karte partout nicht einfallen. Zum Glück kenne ich meinen Hang zum Chaos und habe stets auch ausreichend Bargeld dabei. Nach erledigtem Einkauf stellte ich fest, dass ich an alles gedacht hatte, nur nicht an die Milch. Aber Packpapier habe ich; das versuche ich ja schon seit zwei Wochen zu kaufen und vergesse es jedes Mal. Sagen Sie mir nicht, ich soll mir doch einfach einen Zettel schreiben. Den verliere ich. Was ich nicht im Kopf habe, ist weg. So ist das.

Fragen 111 – 120

111. Wie sieht ein idealer freier Tag für dich aus? Es müsste ein Tag sein, an dem ich Dinge tue, die mich erfüllen.

112. Bist du stolz auf dich? Nein, ich habe keinen Grund dazu.

113. Welches nutzlose Talent besitzt du? Die meisten meiner Talente sind nutzlos.

114. Gibt es in deinem Leben etwas, das du nicht richtig abgeschlossen hast? Ich denke, nicht. Jedenfalls zur Zeit nicht. Es kommt ja immer Neues nach.

115. Warum trinkst du Alkohol beziehungsweise keinen Alkohol? Ich trinke grundsätzlich selten Alkohol, zur Zeit gar nicht. Ich brauche ihn nicht und meiner Gesundheit tut er gerade nicht gut.

116. Welche Sachen machen dich froh? Sachen? Wofür steht hier „Sachen“? Konkrete Objekte? Nachtrag: im Moment machen mich gerade die Bilder von der Renovierung eines Hauses froh, das teilweise noch aus dem 16. Jahrhundert stammt. So etwas liebe ich.

117. Hast du heute schon einmal nach den Wolken am Himmel geschaut? Nein, es ist noch dunkel.

118. Welches Wort sagst du zu häufig? Entschuldigung. Ich sage es auch, wenn ich gar nicht schuld bin, einfach, um meine Ruhe zu haben. Andererseits entschuldige ich mich manchmal nicht, wenn ich es vielleicht sollte, z. B. wenn mir etwas so wichtig ist, dass ich einen Konflikt in Kauf nehme.

119. Stehst du gern im Mittelpunkt? Nein, ich hasse das.

120. Wofür solltest du dir häufiger Zeit nehmen? Für Freund*innen und Familie, aber es gibt Gründe, warum ich das nicht tue.

(Was waren das denn heute für Fragen?)

Die hispanophone Amaryllis

Die Amaryllis, so dachte ich, hatte ich diesen Sommer vertrocknen lassen und im Herbst zum Ausgleich ersäuft. Sie sah zuletzt ganz schlecht aus, und so habe ich sie aufgegeben und in eine Ecke gestellt. Heute bin ich fast über sie gestolpert, und dabei habe ich gesehen, dass sie eine Knospe bekommen hat. Was sie mir damit wohl sagen will? Yo puedo más que tú (Ich bin stärker als du)? Und wieso spricht sie in meinem Kopf Spanisch?

Der Januar geht zu Ende, wir nähern uns langsam aber sicher dem Frühling. Möge die Amaryllis leuchtend rot aufblühen.

Pinakotheken, Privilegien und Kartoffelbrei

Es geht mir gerade nicht gut, weder körperlich noch seelisch. Die Gründe dafür sind mir bewusst, und ich arbeite daran. In solchen Phasen besuche ich gerne Museen und Ausstellungen. Die Max-Beckmann-Ausstellung hätte ich gerne gesehen, konnte ich aber nicht, da man mich wahrscheinlich wegen unangemessener Kleidung wieder fortgeschickt hätte.

In der Hausordnung heißt es neuerdings: „Mitgeführte Gegenstände wie Taschen, unabhängig von der Größe, sowie Mäntel und Jacken, Kapuzenpullover und ähnliche auftragende Oberbekleidung sind an der Garderobe oder in den Schließfächern zu hinterlegen.“

Dass ich Mantel und Tasche im Schließfach lasse, ist klar. Aber zählt mein Winterpullover als „auftragende Oberbekleidung“? Ich bin eine Anhängerin des Lagenlooks, eines Kleidungsstils, der gerade in den Wechseljahren sehr praktisch ist, außerdem trage ich ohnehin gerne lose, weite Kleidung. Im Moment friere ich leicht, wahrscheinlich wäre ich deshalb in aller Unschuld mit meinem Kapuzenpullover in der Pinakothek aufgelaufen.

Aber unter meiner unförmigen Kleidung könnte ich Kartoffelbrei verbergen (was wohl der Grund für die geänderte Hausordnung ist). Einen eng anliegenden Kaschmirpullover – auf die Idee kam eine sehr geschätzte Blognachbarin- besitze ich nicht, dabei wäre der wahrscheinlich akzeptabel gewesen. Ich könnte nun das Kartoffelmuseum besuchen, aber das ist leider geschlossen.

(Wie privilegiert muss man eigentlich sein, um guten Gewissens Kartoffelbrei auf Gemälde zu schmieren? Haben die alle Kunst zu Hause, so dass sie es nicht nötig haben, ins Museum zu gehen, um „aufzutanken“?)

Anderswo

Frau Croco hat das folgende kurze Video einer Russin verlinkt.

Die Fatzke-Zeitung verlässt das Gallusviertel. (Als Frankfurterin darf ich „Fatzke-Zeitung“ sagen.)

Ich kann mich noch erinnern, wie und wo ich den Satz „a stitch in time saves nine“ lernte. Über Nadelarbeit (englisch)

Eine kleine, aber feine Ausstellung in München: Queeres Leben zwischen 1900 und 1950. (Wenn Sie früher noch ältere Leute sagen hörten, Soundso sei am 17.5. geboren, dann bezog sich das auf den § 175 und war eine Chiffre für Homosexualität.)

Männer in Afghanistan müssen mit und für Frauen kämpfen, sagt ein afghanischer Professor. Sie tun es auch, aber es sind zu wenige und es ist gefährlich.

Eine ausgezeichnete junge Musikerin mit Tanguillos de Cádiz. (Die Übersetzung ist allerdings alles andere als ausgezeichnet.)

Fragen 101 – 110

Wer nicht schlafen kann, soll bloggen, und wem nichts einfällt, der muss 1000 Fragen beantworten.

101. Was ist deine neueste Entdeckung? Ich entdecke fast jeden Tag etwas Neues: schöne Kleinigkeiten, liebenswerte Eigenschaften an Menschen, die mir zuvor nicht aufgefallen waren, und Interessantes, das ich noch nicht wusste.

102. Treffen die deinem Sternbild zugeordneten Charaktereigenschaften auf dich zu? „Stille Wasser sind meist tief / so auch im Skorpione schlief / unter äußerem Phlegmas Scheine / oft ein Vampir, der dir deine / Seelenkräfte ausgesaugt / was ihm selbst zur Nahrung taugt / Willensstark, beherrscht, ironisch / halt ihn innen für dämonisch…“ (Keine Ahnung, welcher Held der Lyrik das verfasst hat, aber so ganz kann ich mich nicht damit identifizieren)

103. Welche Farbe dominiert in deinem Kleiderschrank? Blau- und Grüntöne.

104. Holst du alles aus einem Tag heraus? Ich kann nicht sagen, dass mir das immer gelingt. Will ich das überhaupt immer? Was heißt: alles herausholen?

105. Wie viele TV-Serien schaust du regelmäßig? Nur eine, aber ich sage nicht, welche. Es ist mir ein bisschen peinlich.

106. In welchen Momenten wärst du am liebsten ein Kind? Da fiele mir schon etwas ein, aber fürs Blog wäre das dann doch zu privat.

107. Kannst du eine Woche auf das Internet verzichten? Schauen wir mal. (Ich kann auf das Internet als solches verzichten, aber auf manche Menschen, mit denen ich nur dort Kontakt habe, nicht.)

108. Wer kennt dich am besten? Es gibt viele Leute, die einen Teil von mir sehr gut kennen. Bisher hat aber, soweit ich weiß, noch niemand alle Teile zusammengesetzt.

109. Welche Arbeit im Haushalt findest du am wenigsten langweilig? Ich verabscheue alle Haushaltstätigkeiten.

110. Bist du manchmal von anderen enttäuscht? Ja. Menschen, die ich mag, schreibe ich gerne positive Eigenschaften zu, aber dabei übertreibe ich es mitunter. Niemand kann immer gut sein.

(Nehmen Sie das hier bitte nicht so ernst.)

Fragen 91 – 100

91. Wie heißt dein Lieblingsbuch? Ich habe mehrere.

92. Mit wem kommunizierst du am häufigsten über WhatsApp? Mit Freund B, da WA fast das einzige zuverlässige, mir zu Verfügung stehende Kommunikationsmittel zwischen Deutschland und Afghanistan ist.

93. Was sagst du häufiger: Ja oder Nein? Ja. Öfter als mir lieb ist.

94. Gibt es Gerüchte über dich? Oh ja, und glauben Sie mir: die Wahrheit ist noch viel schlimmer.

95. Was würdest du tun, wenn du nicht mehr arbeiten müsstest? Den ganzen Tag lesen, schreiben und am Meer sein. Bis mir langweilig würde.

96. Kannst du gut Auto fahren? Ich habe gar kein Auto.

97. Ist es dir wichtig, dass dich die anderen nett finden? Man kann nicht allen gefallen.

98- Was hättest du in deinem Liebesleben gerne anders? Ich weiß nicht, ob ich überhaupt noch einmal ein Liebesleben möchte.

99. Was unternimmst du am liebsten, wenn du abends ausgehst? Das hat sich alles durch die Pandemie verändert. Ich mag Theater, Kino, und früher habe ich auch gerne einmal eine ganze Nacht durchgetanzt.

100. Hast du jemals gegen ein Gesetz verstoßen? In meiner lang vergangenen Jugend bin ich gelegentlich schwarz gefahren. Als Kind habe ich Obst aus vernachlässigten Gärten gestohlen. Außerdem fürchte ich immer, irgendeinen schlimmen Fehler bei der Steuererklärung zu machen und mit einem Bein im Gefängnis zu stehen.