24.06.2021 Miesbach

Zum ersten Mal seit September verlasse ich München und fahre mit dem Zug nach Miesbach.

Ein leichter Duft nach Landwirtschaft liegt über der Stadt. Ich wundere mich nicht, Miesbach und sein Landkreis bilden ein bedeutendes Zentrum der Viehzucht, seit Max Obermayer, später Wirt in Gmund, 1837 die ersten Simmentaler ins Oberland brachte. (Mit Simmentalern hatte ich im Schülerpraktikum in der 9. Klasse zu tun, vorher kannte ich diese Rasse gar nicht.) Es ist Markt, deshalb mischen sich auch andere Aromen ein: Obst, Gemüse, Kräuter, Käse und Backwaren. Auf dem Markt trägt man Maske und hält Abstand.

Rundherum kleine, feine Geschäfte. Ein Trachtengeschäft scheint schönere und schlichtere Ware anzubieten als die oft etwas überkandidelte Konkurrenz in München oder in Bad Tölz. Nicht, dass Sie mich jemals in einem Dirndl sehen werden, aber die Tücher und Schals, die man zum Dirndl trägt, gefallen mir und lassen sich auch mit vielen anderen Kleidungsstücken kombinieren. Vorerst begnüge ich mich mit den Schaufenstern. Auch Kirchen und Baudenkmäler betrachte ich dieses Mal nur von außen. Ich werde wiederkommen; die Zugfahrt dauert ja nur etwas über 40 Minuten.

In jedem mir neuen Ort schaue ich mir den Friedhof an. Wie man die Toten behandelt, sagt viel über eine Gegend und ihre Bewohner. In Miesbach werden die Toten anscheinend sehr ordentlich gehalten. Über dem Friedhof wacht ein brünetter Christus mit Rasta-Haaren, auf dem Friedhof liegt ein Max S., geb. 1955, an den auch zwei mit Plaketten versehene Parkbänke in der Stadt erinnern. Vielleicht gibt es noch mehr Parkbänke mit seinem Namen, ich habe aber nur zwei gesehen. Neben dem Friedhof liegt das Altersheim, gegenüber ein Bestattungsinstitut. Kurze Wege sparen Zeit und Geld.

Von der Straße, die zum Friedhof führt, geht die Frauenschulstraße ab. Diese führt zum heutigen Berufsschulzentrum, einer ehemaligen Schule für ländliche Hauswirtschaft, im Gebäude der ehemaligen Bergwerksdirektion. Dass in Miesbach seit 1763 Kohle gefördert wurde, war mir neu. ebenso, dass 1882 die erste Stromübertragung von Miesbach nach München gelang. An diese erinnert eine Tafel neben dem oben abgebildeten Brunnen.

Am Bahnhof fällt mir auf der Rückfahrt ein feines Graffito auf, das Engelsflügel zeigt. Der Urheber signiert mit „Drago“, wenn ich es richtig gelesen habe. Was er sich wohl dabei gedacht hat? Soll sein Engel etwa die Reisenden behüten? Es wäre ein schöner Gedanke.

8 Kommentare zu „24.06.2021 Miesbach

  1. Ein so feiner Bericht. Reisebeschreibung mit auserwählten Sehsachen. Könnte man so gerne mitgemacht haben wollen…
    Gruß von Sonja

    1. Manchmal hätte ich gerne den einen oder die andere Leser*in dabei.

  2. Das Traumhaus sieht wirklich traumhaft aus :) – ich mag solch alte, lang gewachsene Ortsflecken sehr.
    Herzliche, Ev

    1. Nichts zu danken. Ich will auf jeden Fall noch einmal hinfahren, wenn das Heimatmuseum wieder offen ist.

  3. Kurze Wege …!
    Und ich wundere mich über die mittelrheinische Trias Schrebergärten – Campingplatz – Friedhof.

    1. Ich fand es etwas makaber, wenigstens für die Bewohner*innen des Altersheims.

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