19.10.2021

Auf Twitter diskutiere ich, ob ein Jude sich antisemitisch äußern kann. Später ärgere ich mich über mich selbst, weil ich mich zum 180. Mal auf eine solche Diskussion eingelassen habe, in der es der Gegenseite üblicherweise nur darum geht, eine Person in Misskredit zu bringen. Dazu ist dann wohl jedes Mittel recht.

Eine chronische Hautkrankheit scheint sich nach Jahren zu bessern. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben.

Die Pandemie ist noch nicht vorbei, aber sie fühlt sich anders an, seit ich doppelt geimpft bin. Selbstverständlich beachte ich weiterhin sämtliche Vorsichtsmaßnahmen und treffe nur wenige Menschen.

In der Firma finden „Optimierungsgespräche“ statt. Wir sollen sagen, was uns in der fast vergangenen Saison nicht gepasst hat. Es läuft darauf hinaus, dass besprochen wird, wer unter den Kolleg*innen doof ist. Ich bin anscheinend doof, aber ich bin nicht die einzige. Generell sind kompetent und selbstbewusst wirkende Frauen doof. Ich erfahre, dass die tonangebende Clique eine geschlossene WhatsApp-Gruppe gegründet hat, in der man auf bösartigste Weise über die Interims-Chefin herzieht. Ich mag sie ja auch nicht, finde aber äußerst niederträchtig, was mir zu dem Thema hinterbracht wird. Ich äußere mich ehrlich und auch selbstkritisch zu verschiedenen Themen und ärgere mich danach wieder einmal über mich selbst. Aufrichtigkeit verfängt in dieser Umgebung nicht. Was ich falsch mache, sagt man mir nicht.

Mit Yasir rede ich über Wahlen, Demokratie und über seine Vorstellung von einer islamisch geprägten Regierung. (Es fällt mir zugegebenermaßen schwer, bei diesem Thema offen zu sein und zu bleiben.)

5 Kommentare zu „19.10.2021

  1. Ich finde es gut und richtig, die Meinung zu sagen, auch wenn es sinnlos erscheint und einem in der Situation vorkommt, als wäre es nur eine Zeit- und Energieverschwendung.

    Wenn es bei nur einem einzigen Menschen zu einem minimalen Gewissensbiss kommt, dann war es das doch schon wert. “Wer nichts säht, der erntet auch nichts.” und deswegen ist es vermutlich so wichtig, was zu sagen, denn ok ist dieses Verhalten der Kolleg*innen ganz und gar nicht. Auch wenn der “Samen” erst später aufgeht, irgendwann wird es dem/der ein oder anderen auf die Füße fallen und zum Nachdenken anregen.

  2. Sie machen es schon richtig und gut.
    „Optimierungsgespräche“ sind ein niederträchtiges Instrument, genauso wie die WhatsApp-Gruppe.

    1. Zu der WhatsApp-Gruppe kann ich wenig sagen. Ich habe nicht das zweifelhafte Privileg, daran teilnehmen zu dürfen. Das Optimierungsgespräch scheint sich zum Mobbinginstrument zu entwickeln.

  3. Optimierungsgespräch ist ja schon ein perfider Ausdruck an sich.
    Bei uns heißen sie Mitarbeitergespräche, wo man vielleicht bei einer zu 90% weiblichen Belegschaft gendermäßig was dran auszusetzen haben könnte, aber sonst laufen die immer sehr wertschätzend und konstruktiv.- und optimieren auf die Weise wirklich etwas, ich bin beim letzten auf eine Verhaltensweise hingewiesen worden, die mir nicht aufgefallen war, wo ich aber einsehen konnte, dass das für manche schwierig war und nun habe ich den Punkt geändert, es war aus reiner Unaufmersamkeit geschehen.

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