17.02.2022

Ich wache nachts auf, und es windet. Seit ich einmal an der Ostsee in einem Haus übernachtet habe, gegen das sich der Sturm warf wie ein brüllendes Tier, zögere ich zu sagen: es stürmt. Um das Geburtshaus meiner Mutter pfiff und heulte im Herbst der Wind. Meine Großmutter ging dann noch einmal hinaus, um nach den Tieren zu sehen. Ich weiß aber nicht, ob sie überhaupt unruhig waren. Gefragt habe ich mich das gar nicht. Wie konnte auch jemand unruhig sein, wenn meine Oma nach dem Rechten sah? Ich weiß nicht, wie sie es geschafft hat, mir so ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Die wilde Jagd ritt vorbei, aber Frau Holle kümmerte sich nicht um uns und wir uns nicht um sie. Respekt hatten wir dennoch. Kam ein Gewitter dazu, sagten meine Mutter oder meine Godel (Patentante) früher oder später:“Den Beter lass beten, den Schläfer lass schlafen, den Fresser schlag tot!“ Diesen Satz meiner Urgroßmutter denke ich, wann immer das Wetter dazu Anlass gibt, und während eines Gewitters kann ich heute noch nicht essen. Die Mutter einer Freundin betete in Sturmnächten, und als einmal ein Ast auf eine Stromleitung fiel und einen Funkenregen erzeugte, rief sie im ersten Schrecken: „Der heilige Geist!“. Einmal protestantisches, einmal katholisches Milieu. Bei der anderen Oma, der Geschichtenerzählerin, setzte ich mich als kleines Kind auf den Teppich, wenn es stürmte, und wartete darauf, dass er sich in die Lüfte hob. Ein fliegender Teppich war lange Zeit mein größter Wunsch. Erfüllt hat er sich nicht, und manchmal denke ich noch an ihn.

Ein Kommentar zu „17.02.2022

Kommentare sind geschlossen.