24.02.2022

Man wundert sich allenthalben, dass im Jahr 2022 ein Krieg in Europa möglich ist. Ich wundere mich, dass man sich wundert. Der Mensch hat noch genug Bestie in sich, dass Kriege und Genozide möglich sind. Eigentlich müsste sich der Mensch geändert haben, und zwar zum Besseren, aber wir haben ja an den Coronaleugner*innen und ähnlichem Gelichter gesehen, dass er das nicht getan hat.

Ist es der Preis unserer Mobilität, dass sich einerseits Seuchen schneller verbreiten und andererseits eine Art Nähe entsteht zwischen Menschen in unterschiedlichen Ländern? Gefühlt kennt jede*r jemanden in oder aus der Ukraine.

Ich räume das Tanzstudio aus, bzw. lasse räumen, da die zu entsorgenden Dinge nicht mehr unter „haushaltsübliche Mengen“ fallen. Es ist gut so wie es ist.

Danach hänge ich am Radio und an Twitter, bis ich es nicht mehr aushalte.

Freund B wünscht sich Versöhnung zwischen Taliban und anderen Gruppen in Afghanistan. Ich würde mir für Afghanistan noch einige andere Dinge wünschen, aber so weit ist Freund B noch nicht, fürchte ich. Die Universität Kabul öffnet im März, erzählt er mir, und zwar für Studenten und Studentinnen. Wir werden sehen.

8 Kommentare zu „24.02.2022

  1. Ich persönlich kenne wissentlich niemanden aus der Ukraine (glaube ich zumindest) und vielleicht geht es mir deshalb auch nicht ganz so nah wie Afghanistan. Allerdings macht unser Grundschulkind sich Gedanken, weil eine Person, deren Namen wir noch nicht zuordnen können – vermutlich ein anderes Schulkind oder eine Dolmetscherin – wohl Großeltern in der Ukraine hat – also stimmt es zumindest für mich mit diesem „gefühlt kennt jede*r“ schon. Dass man sich wundert, dass es einen Krieg geben kann, wundert mich auch. Was mich auch wundert war/ist dieses „Oh Gott, wir hätten nicht gedacht, dass der das wirklich macht…“

  2. Kennen Sie das Projekt „Weiter schreiben“? Heut Abend im DLF-Kultur über Afghanistan mit der afghanischen Autorin Batool:
    Weiter Schreiben
    Hörtipp: Die afghanische Autorin Batool ist heute um 19:30 zu Gast in der Sendung „Zeitfragen“ von Deutschlandfunk Kultur mit ihrer Tandempartnerin Marica Bodrožić und unserer Künstlerischen Leiterin Annika Reich. Dort werden sie mit Dorothea Westphal über ihre Arbeit im Projekt „Untold – Weiter Schreiben Afghanistan“ sprechen.
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/programm

  3. Ich wundere mich, dass man sich wundert, schreibst du und genau das denke ich seit gestern ständig. Schlimm, das schlimmes zu erwarten ist und dann doch eintritt.

  4. Unsere langjährige Freundin L. ist zur Zeit gottseidank in Stuttgart bei Tochter, Schwiegersohn und Enkelinnen. Wir haben sie eingeladen, bei uns zu wohnen. Unterstützung sowieso.

    1. Das freut mich. Ich hoffe zur Zeit nur, dass der ukrainische Kollege nicht beschließt, in die Ukraine zurückzukehren, um zu kämpfen. Die Söhne meiner Nachbarin sind in Odessa und werden da nicht herauskommen, bevor der Krieg endet. Wenn sie es erleben.

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