Natalie Amiri berichtet, viele Afghanen hätten sich von den Taliban eine öffentliche Verwaltung ohne Korruption erhofft. Das deckt sich ungefähr mit dem, was Freund B erzählt. Schulen seien auch vor den Taliban sehr islamisch geprägt gewesen. Außerdem erzählt sie von vergeblichen Versuchen, Ortskräfte und andere gefährdete Personen zu evakuieren. Ihre Schilderung macht deutlich, dass die Aufnahme von Ortskräften und gefährdeten Personen in Deutschland möglicherweise nie gewollt war.

Die Taliban, so schreibt sie, durchforsten die social media nach kritischen Äußerungen der eigenen Bevölkerung. Das wäre eine Erklärung dafür, dass Freund B auf Twitter ein anderer zu sein scheint als auf WhatsApp. Kontakte mit EU- oder US-Bürger*innen werden anscheinend nicht gerne gesehen. Da hat sich wohl etwas geändert. Im Sommer und Herbst 2021 hatten die Taliban in den Social Media eine regelrechte Charme-Offensive gestartet.

Aber Freund B hat auch gute Nachrichten. Ich glaube jedoch nicht, dass ich hier davon erzählen darf. Jedenfalls ist er glücklich, und das freut mich.

Der normale Bürobetrieb wird wieder aufgenommen. Ich habe 40% Home Office und 60% Büropräsenz. Auf den sogenannten „Verkehrsflächen“, also Flur, Teeküchen, Toiletten besteht keine Maskenpflicht mehr. Masken sind jedoch erlaubt, teilt die Personalabteilung mit. Ich sehe vereinzelt Maskenträger*innen und ich trage meine derzeit auch noch. Überraschend werde ich diese Woche für meine perfekte Bearbeitung gelobt. Was dahinter steckt, erfahre ich am Tag darauf. Nichts gutes.

In den öffentlichen Verkehrsmitteln, so scheint es, sind Masken optional. Ein Viertel der Passagiere zwischen Neuperlach und der Isarvorstadt geht oben ohne.

Den Mai hätte ich gerne genossen, aber ich hatte mal wieder zu viel Arbeit.