Nachtgesicht: ein junger Mann läuft barfuß in Hemd und kurzer Hose über die Kreuzung. Wirklich dick ist er nicht, eher von „angenehmer Fülle“. Er sieht nicht aus als liefe er regelmäßig barfuß. Hat man ihm die Schuhe gestohlen? Hat er sie zurückgelassen, als er panisch aus dem Schlafzimmer einer Dame (oder eines Herrn) fliehen musste? Wenn man dazu neigt, aus allem eine Geschichte zu machen, kommt man bei einem solchen Anblick auf wahrlich dumme Gedanken.

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Als ich Einkaufen gehe , regnet es. Ein zierlicher schwarzer Mann hält einen Regenschirm und lacht mich an. Ich, gedankenlos, habe natürlich keinen Schirm dabei. Aber es ist auch nur ein leichter Regen, der kaum das Kleid anfeuchtet. Eine Frau in Abaya und Kopftuch verzichtet ebenfalls auf einen Schirm.

Vor dem Geschäft mustert mich ein älterer Mann, als ich meine Maske über Mund und Nase ziehe. Ich erwarte eine dumme Bemerkung, aber nein, er nimmt ebenfalls eine Maske aus der Tasche und setzt sie auf.

2 Kommentare zu „

  1. Ich kriegte neulich die blöde Bemerkung zur Maske. Die schlagfertige Antwort fiel mir leider wieder erst nach dem Einkauf ein: Also, wenn Sie krank werden, von mir habenses nicht, gell!

    (Ich mag: „von angenehmer Fülle“, das ist ein wunderschöner Ausdruck.)

    1. Der Ausdruck ist nicht von mir, sondern von Alfons Paquet, der ein Buch über „Die Frankfurterin“ geschrieben hat und der die Frankfurterinnen so charakterisierte. (Als nicht ganz schlanke Frankfurterin finde ich das natürlich gut.)

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