Groß war der Sommer nicht, zumindest nicht hier. Aber als ich auf den Balkon trete, umhüllt mich die Nachsommerluft mit geradezu zärtlicher Wärme. Der Himmel wäre einer für Baal. Ich muss an eine Frau denken, die einst im Gras lag, weit weg von Europa, den Hut auf dem Kopf, die Zigarre im Mund, mit offenen Augen.

Draußen kläfft ein Hund, der Tonlage nach ein Rehpinscher, und eine Frau kreischt. Die Stimmen sind fast gleich.

Über der Kirche hängt ein blasser Mond. Wie meine Mutter es mir gezeigt hat, zeichne ich in Gedanken ein Z, aber in Sütterlinschrift.

Anderswo ist die Rede von Hochzeiten ohne Brautkleid. Mein Alptraum als junge Frau war: im Hochzeitskleid verlassen werden. Es kommt wohl vor, dass Bräutigame und auch Bräute nicht auftauchen..

Den einzigen Heiratsantrag meines Lebens bekam ich übrigens in der Wohnung, in der ich jetzt wohne. Wir lagen auf einer Luftmatratze auf dem Balkon, und er, dessen Deutschkenntnisse damals noch nicht perfekt waren, fragte unvermittelt: „Willst Du mit mir heiraten?“ Ich hielt es für einen Scherz und lehnte lachend ab. Jahre später erzählte er, er habe es durchaus ernst gemeint. Woher hätte ich es wissen sollen bei dem Hallodri?

Freund B rät auf Twitter einer Muslimin ab, eine Ehe als Zweitfrau einzugehen. Diese Dinge werden in seinen Kreisen offen diskutiert, auch auf Englisch, sonst würde ich es nicht mitbekommen.

5 Kommentare zu „

  1. (Ich frage mich gerade traurig, was meine Mutter beigebracht hat. Das Z und A beim Mond habe ich in der Schule gelernt.)

    Zwei habe ich angenommen, in einem früheren Leben, den dritten nicht, aber wir sind seither trotzdem verheirateter als ich es je zuvor war. Leben ist merkwürdig.

    1. Ich antworte erst jetzt, weil ich eigentlich immer noch nicht weiß, was ich sagen soll, aber deinen Kommentar nicht unbeantwortet stehen lassen wollte. Es stimmt mich traurig, dass deine Mutter dir nichts (gutes) beigebracht hat. Familie ist ein schwieriges Thema, und ich hoffe, ich habe keine alten Wunden aufgerissen.

      1. Alles in Ordnung. Ich habe da eher laut gedacht und die Klammer gesetzt, um keine Antwortnotwendigkeit zu signalisieren. Danke dennoch für dein Mitgefühl.

        Sie hat mir gewiss einige Dinge beigebracht, wenn auch eher wenig Hilfreiches (wie Depression geht resp. eben nicht z. B.); bei meinem Vater erinnere mich klar an Beigebrachtes: Handwerkliches ebenso wie Lebenskluges. Und haufenweise Anekdötchen kann ich über ihn erzählen …

        (Du hast aber nichts aufgerissen. Das ist eh alles immer da.)

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