Maria, Maria

oder auch Arielle.

Eine Disneyfigur wird von einer schwarzen Schauspielerin verkörpert. Kleine Mädchen freuen sich, dass sie jetzt ein Vorbild haben, das aussieht wie sie. (Ob jetzt gerade Arielle ein so tolles Vorbild ist, will ich nicht beurteilen, aber vielleicht werden ein paar dieser kleinen Mädchen einmal Meeresbiologinnen, Schiffsmechanikerinnen oder Kapitäninnen. Die Liebe zum Meer kann unterschiedliche Wege gehen.)

Sie können jetzt sagen: die spinnen, die Amerikaner! Ist es nicht egal, welche Hautfarbe ein Märchenwesen hat? Nicht ganz, und ich erzähle Ihnen gleich, warum. Als ich in der dritten Klasse war, führten wir in der Schule vor Weihnachten ein Krippenspiel auf. Ich hätte gerne die Maria oder einen Engel gespielt, durfte aber nicht einmal vorsprechen, weil Maria und die Engel blond zu sein hatten. Zumindest, was Maria betraf, versuchte ich die Lehrerin zu widerlegen, denn im Nahen Osten waren sicher auch zu Jesu Zeiten die meisten Menschen dunkelhaarig. Mit Engeln kannte ich mich nicht so aus. Es scheint eine Kleinigkeit zu sein, und im Nachhinein betrachtet, finde ich meine Traumrollen nicht mehr so erstrebenswert, aber damals war ich zutiefst enttäuscht, vor allem von der Begründung für die Ablehnung.

Wenn ein Kind Ablehnung erfährt auf Grund eines Umstandes, für den es nichts kann, dann ist das ein Schlag in die Magengrube. Das mag relativ harmlos sein, trotzdem verletzt es; umso mehr, wenn ein Kind schon Rassismus erfahren hat und Rassismus tatsächlich oder möglicherweise der Grund für die Ablehnung ist. Deshalb ist es wichtig, dass es auch einmal eine schwarze Arielle gibt. Dass ein Kind eine positive Figur sieht und sagen kann: Die ist wie ich.

6 Kommentare zu „Maria, Maria

  1. Ja, so wie du das beschreibst!

    In meiner Grundschulzeit gab es jedes Jahr Aufführungen – meistens Märchen – und alle Kinder außer mir durften Rollen dabei spielen – weil Prinzessinnen oder Großmütter eben nicht sichtbar behindert sind. Das ist nicht ganz das gleiche wie mit dem Rassismus, aber es ist sehr ähnlich. Und da kann man sich genau wie bei der akuten Sache fragen Wieso eigentlich nicht?. Wo steht denn, dass die oder die absolut makellos gelaufen ist? Warum sind die, die anders sind immer nur böse Rollen?

    Heute würde ich auch sagen, eine Prinzessinnenrolle passt nicht zu mir, aber damals war ich einfach nur verletzt. Wenn ich protestiert habe, wurde ich abgewatscht, es gäbe halt keine behinderten Charaktere in den Geschichten, hätte ich eben Pech… (Und genau das wird vermutlich etlichen Schwarzen Kindern oder Kindern of Colour gesagt, die auch mal Prinzessin/Prinz/Königin/König/Ritter/Burgdame… oder eben Meerjungfrau sein wollen.)

  2. JA! Ich habe die glücklichen Reaktiionen der dunkelhäutigen Kinder gesehen. – Mal ganz davon abgesehen, hätte dir die Lehrerin auch eine blonde Perücke verpassen können. Unflexibel in jeder Hinsicht und damit einfach nur schädlich für das Kind.
    Lieben Gruß
    die Hoffende

  3. Da gibt es doch diese erschütternde Studie mit den weißen und schwarzen Puppen bei der die schwarzen Mädchen die weißen Puppen generell als schöner, klüger, besser einstufen als die schwarzen und auf die Frage welche Puppe eher wäre wie sie selbst auf die schwarze zeigen …

  4. In meiner Schule war es eher diskriminierend an religiösen Veranstaltungen teilzunehmen. Der Direktor, ein Logenbruder meines Großvaters, war der Ansicht, dass Religion sich nicht mit einem aufgeklärtem Weltbild vertrage.
    Wir sind auch der Ansicht, dass solche Aufführungen der Ideologisierung der Kinder dienen.
    Alles Gute
    The Fab Four of Cley
    :-) :-) :-) :-)

  5. Es gäbe freilich die Möglichkeit, zu blondieren. Oder gar whitefacing…
    Bei variablen Märchenfiguren ist es nicht nur möglich, sondern auch akzeptabel, sie zu verändern (wo doch gerade Disney schon die Geschichten grundlegend verändert). Aber bei einer festgelegten, beschriebenen Figur plötzlich eben solche Änderungen vorzunehmen halte ich dann wieder für eine Frechheit dem Autor und dem Leser gegenüber.
    Übrigens, diese Art Erlebnis, nicht das sein zu dürfen, was man will, auf sein Aussehen reduziert zu werden, das habe ich ebenfalls als Kind erfahren. Wahrscheinlich jedes! Wieviel es jeweils ausgemacht hat ist die andere Frage. Ich war verletzt und beleidigt.
    Gruß an die Lehrerin: Maria war fast mit Sicherheit dunkelhaarig. Und, um die Lehrerin nochmals zu treffen: auch wenn sie es nicht glauben wollte, sie war Jüdin wie ihre Eltern, ihr Mann, ihr Sohn (dieser Mann, der z.B. im Islam als einer der wichtigsten Propheten gilt), auch wenn es manche nicht glauben wollen!
    Ich tauge nicht zu einer dieser biblischen Gestalten. Viel zu hellhäutig…
    Ach ja, bezogen auf die Kommentare: das verblüfft mich jetzt, in irgend einer Hinsicht eingeschränkte, behinderte Großmütter gibt’s nicht? Das ist großartig, wir können sofort ca. die Hälfe allen Pflegepersonals entlassen!

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