Anderswo

Erinnerung an Marcus Buschmüller. Ich erinnere mich an einen Neonaziaufmarsch vor AIDA, ich wohnte ja praktisch nebenan. Und an den Polizisten, den ich darauf hinwies, dass zumindest eines der Nazilieder auf dem Index stand und nicht hätte gespielt werden dürfen. Der Polizist reagierte, wie so ein bayerischer Polizist eben reagiert. Der Feind der bayerischen Polizei steht ja bekanntlich links.

Hanna Nym über die Stasi-Akte ihres Vaters.

Eine Handreichung für Flugreisende.

Schwesterfraudoktor über den Notstand in der Medizin. Längst betrifft er nicht nur Krankenhäuser.

Lieben Sie die katalanische Rumba? Mir fiel kürzlich ein ganz alter Schleifer in die Hände. Das ist natürlich ein Stil, der heute mehr als antiquiert wirkt, aber was soll man machen? Peret ist nun einmal der König der Rumba.

(Un-)verwandt

Ein Hut, wie ihn früher die Viehhändler trugen (oder heute noch tragen?). Spitze Schuhe, feiner Zwirn. Etwas korpulent, mit weichen Bewegungen; den Kopf trägt er sehr hoch. Er sieht mich ohne ein Lächeln an und nickt. Ich nicke ihm ebenfalls zu. Wortlos gehen wir weiter. Ich aber muss hinter ihm her lächeln, lag ich doch richtig mit meiner Vermutung.

Im Garten meiner Großmutter, der jetzt meinem Patenonkel gehört, gibt es nur noch einen Johannisbeerstrauch. einen Stachelbeerstrauch und einen Apfelbaum. Mehr braucht ein alter Mann wohl nicht. Aber Rosen hat er gepflanzt, Mainzer Fastnacht, Gloria Dei und viele andere, die ich gar nicht kenne. Er schimpft über die Arbeit, die ihm die Rosen machen, andererseits weiß er auch, dass Rosen etwas aushalten und sehr unverdrossen blühen können.

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Einen wunderschönen Park hat die Schlossanlage Schleissheim. Es gibt einen Hofgarten, eine Kaskade, die fast wie das Meer rauscht, klug platzierte Sichtachsen und vieles mehr. Da könnte mir eine Geschichte einfallen über einen Gärtner, der eine feine Dame verführt, indem er ihr Geschichten über seinen Garten erzählt. Im Gegenzug erzählt sie ihm vom Meeresufer, an dem sie vor ihrer Heirat lebte und das er nicht kennt… (Wenn Sie die Idee mögen, stehlen Sie sie ruhig. Mir fehlt ja, wie Sie wissen, der Antrieb zum Schreiben. Das hier ist kein Schreiben, sondern nur Spielerei.) Freund B schicke ich ein Foto vom Schloss Lustheim und dem Park. Er fragt, warum keine Leute im Park sind. Ich vermute, weil es ein Werktag und noch früh ist.

Im Schloss Lustheim sehe ich Meißener Porzellan aus dem 18. Jahrhundert, und mir fällt auf, dass einige Muster auch in späteren Zeiten noch verwendet wurden, so zum Beispiel ein komplizierter Goldrand, den ich auch auf dem Geschirr einer Tante gesehen habe. Das Geschirr meiner Tante kann aber frühestens um 1900 entstanden sein und wurde wahrscheinlich an sie vererbt. Zum ersten Mal begegnen mir „Koppchen„, und ich erinnere mich an das Wort „Käppchen“, mit dem meine Mutter in ihrem Dialekt eine Kaffeetasse bezeichnet. Irgendwann, wenn ich einmal alt und reich bin, werde ich eine Schokoladekanne besitzen, die den Henkel an der Seite hat. (Man wird doch träumen dürfen, oder etwa nicht?)

Im Neuen Schloss weicht mir ein misstrauisch blickender Museumswärter nicht von der Seite. Als ob ich eins der Kolossalgemälde klauen wollte! Die meisten sind unbeschreiblich hässlich, einzig Pietro da Cortonas Ehebrecherin weckt mein Interesse. Und da ist noch ein zartes Porträt einer alten Frau. Es wird Murillo zugeschrieben. Die Porträtierte ist mit Sicherheit eine Spanierin; Gesichter wie das ihre sieht man in den Straßen von Sevilla zuhauf. Leider stört der Wärter meine Konzentration.

Das alte Schloss zeigt eine Sammlung von Krippen; im weitesten Sinne, tatsächlich handelt es sich um biblische Szenen, die in unterschiedlichen Weltregionen auf sehr unterschiedliche Weise dargestellt wurden. Die erläuternden Texte zu den Exponaten könnten einmal überarbeitet werden. Die Sichtweise ist doch sehr kolonialistisch geprägt, bei jedem Schritt befürchtet man, auf einen Satz über „die Wilden“ zu treffen. Auffällig ist, dass viele Krippen von Frauen geschaffen wurden, oder dass sie zumindest daran mitgearbeitet haben und namentlich erwähnt werden.

Drei Schlösser sind mehr als genug, ich werde zurückkehren und mir einiges noch genauer anschauen müssen.

Miesbach

Prozessionsmobiliar

Täuflinge der vergangenden Monate. Mir gefällt ja der Gedanke, dass Eltern ihr Kind „Mirabella“ nennen.

Wenn ich mich recht erinnere, trug Huckleberry Finns Vater Schuhe, auf deren Absätze Kreuze genagelt waren. Gefunden an der Treppe von der Kirche auf die Pfarrstraße. Vielleicht hat so etwas für Katholiken eine tiefere Bedeutung. Ich weiß es aber nicht.

Mehr Bilder aus Miesbach, der Kirche und der Kapelle:

Der Graffito-Engel vom letzten Mal wurde verschandelt. Der junge Mann, der die Verschandelung entfernte, ließ freundlicherweise die Engelsflügel da, auf dass der Engel auch weiterhin die Reisenden behüten möge.

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Weiter bloggen oder es lassen?

Kommentare erlauben oder verbieten?

Anderswo böse Unterstellungen. Ich befürchte so etwas demnächst auch hier. Wie lebt man, ohne zu schreiben? Ohne zu tanzen? Manche haben es nie getan. Hatten die das Bedürfnis nicht oder sind die einfach nur viel klüger als ich?

Anderswo

Anna schreibt wieder.

Frau Seekrank ist allein unter Millionären.

Ein Interview mit der afghanischen Journalistin und Frauenrechtlerin Mahbouba Seraj.

Pfadfinderinnen in der Schweiz.

Ich habe es Ihnen schon einmal gesagt: Sie sollen den Schizophrenisten lesen. Er ist manchmal schwierig und sperrig, aber mitunter gelingen ihm kleine Perlen der Bloggerei.

Noch eine ältere Tänzerin: Angelita Vargas. Ich habe sie zum ersten Mal Mitte der 80er in Sevilla gesehen, als sie in „La Diosa“ von Manuela Carrasco eine Nebenrolle tanzte. Hier tanzt sie eine sehr klare, traditionelle Soleá.