Die Migräne vom Samstag ist am Sonntagmorgen noch nicht ganz verflogen. Also sitze ich nicht schon frühmorgens im Zug Richtung See, sondern lasse den Morgen entspannt beginnen. Kaffee, Quark mit Orange und Haferflocken, Nachrichten im Radio. Herumtrödeln, ein bisschen Aufräumen, ein heißes Bad. Danach räume ich die Wohnung um, wobei daran nicht mehr viel zu tun ist. Da der Ess/Näh/Schreibtisch derzeit nur Home-Office-Schreibtisch ist, stelle ich den Balkontisch vors Sofa und habe so zumindest einen Kaffeetisch, an dem man zur Not auch essen kann, und eine neue, heimelige Leseecke.

Mittags drehe ich eine kleine Runde: Frühlingsanlagen, Rosengarten, Post, Südfriedhof. Am Automaten in der Post hole ich den Bankauszug vom November. Entgegen mancher Befürchtungen im Kolleg*innenkreis ist das Weihnachtsgeld korrekt ausgezahlt worden und auch die Steuererstattung ist gekommen.

Mit Freund B habe ich am Abend zuvor lange per WhatsApp gesprochen.

Erst am Abend fällt mir ein, dass ja Barbaratag ist. Barbarazweige habe ich nicht.

Anderswo

Über Hautfarbe

Hunger (englisch).

Die Fischer von Boulogne-sur-Mer. (Praktisch nebenan hat meine Familie ihre Urlaube verbracht, als ich ein Kind war.)

Die erste Dichterin.

Georges Brassens, L’Auvergnat. (Für R.M. Weil er mein Auvergnat ist.)

Ein Hinweis in eigener Sache: In letzter Zeit „frisst“ WordPress manchmal Links, d.h. die Texte hinter den Links verschwinden im Nirwana. Sollte das hier wieder passiert sein, geben Sie mir bitte einen Hinweis.

Freund B war eine Woche lang krank. Ich- hier im behäbigen München – bin schier umgekommen vor Sorge, weil ich eine Woche lang nichts von ihm gehört habe. Habe ich erwähnt, dass Freund B in Kabul wohnt, wo gefühlt an jeder Ecke ein Attentat geschieht? Dabei behauptet Freund B, in seinem Viertel lebe man recht gemütlich und unbehelligt. Mag sein. Mag sein, dass die Maßstäbe von Freund B andere sind als meine.

Ich stelle meinen Schreibtisch vor die Heizung. Die drehe ich noch seltener auf als früher, denn wir sparen ja, aber wenn ich sie aufdrehe, kann ich so Beine und Füße wärmen. Im Büro klagt man über die Kälte, und ich muss an Triest und an Granada denken, zwei Städte, in denen ich gefroren habe wie ein Schneider. In Granada schlief ich im November in einem Zimmer ohne Fensterscheiben. In Triest blies die Bora, und die Bora kann sehr kalt sein, mehr noch als Venedig.

Am nächsten Tag wache ich um halb vier auf. Nach einer Stunde Herumwälzen auf dem Lotterbett stehe ich schließlich auf und sehe nach, ob das Update auf dem Dienstlaptop durchgelaufen ist. (Antwort: ja.) Daran, einen Dienstlaptop zu haben, habe ich mich immer noch nicht gewöhnt. Ich habe eine Heidenangst, das Ungeheuer in der U-Bahn zu vergessen oder es fallen zu lassen.

Wintermantelzeit. Ich nähe Knöpfe an. Die Ränder der Manteltaschen und die Nähte fangen an, abgewetzt auszusehen. Ein Winter geht noch.

Manchmal möchte ich Isadora heißen.

Aber noch ein Name, zusätzlich zu den vielen, die ich in meinem Leben schon hatte? Elisabeth, Betty. Elisabetta, Betta, Bettina.. Benita, Bendición, Bene. Berthe. Niemals Isabel(le). Jede Zimmervermieterin gab mir einen neuen, aber nur mein Vater sagte Berthe. (Berthe au grand pied, vielen Dank auch, Vadder.). Das sind nur die europäischen Varianten, wie würde ich wohl in Südafrika heißen? Oder in der Mongolei?

Der Laptop schwächelt, Grund ist möglicherweise das Netzkabel und / oder der Adapter. Ich bestelle beides nach, gönne mir auch einen neuen Akku. Zum Glück habe ich Adapter und Netzkabel vom vorigen Laptop aufgehoben, damit geht es halbwegs. Teuer ist das alles geworden.

Die Kollegin hustet sich die Seele aus dem Leib. Zu Hause drehe ich zum ersten Mal die Heizung auf. Im Büro hält man uns jung und frisch, indem man uns kühlt.

Warum denn nur Isadora?

Eine Woche Mastodon

ist eigentlich zu wenig , um Erhellendes schreiben zu können.

Ich habe ein Profil auf literatur.social angelegt. (Sagt man das so?) Dort bewegen sich nicht nur Verfasser*innen hochgeistiger Literatur. Anscheinend gibt es dort Menschen, die Trivialliteratur schreiben, es gibt solche, die sich aus beruflichen oder sonstigen Gründen mit Literatur beschäftigen, und auch solche, die einfach gerne lesen und sich Information und Anregung wünschen. Ich selbst suchte ein Umfeld, in dem ich hauptsächlich Dinge über Sprache und Literatur lesen kann. Vermutlich bin ich auch nicht die einzige völlig ambitionslose Kleinstbloggerin da. (Ich maße mir auch nicht an, Literatur zu produzieren.) Saša Stanišić ist dort, dessen Bücher ich mag. Ich folge ihm, aber wir interagieren nicht miteinander. Auf den ersten Blick erscheint Mastodon ein wenig zwangloser als Twitter. Ob das nun generell so ist oder aber eine Besonderheit von literatur.social, weiß ich nicht. Wie sich das im Laufe der Zeit noch ändern wird, weiß ich auch nicht. Im Moment ist es einfach noch ruhiger als auf Twitter, aber Menschen sind Menschen. Ich gehe davon aus, dass es bald auch auf Mastodon regelrechte Kriege um den korrekten Gebrauch bestimmter Wörter und Formulierungen geben wird.

Man hat die Möglichkeit, sich eine“ lokale“ oder eine „föderierte“ Timeline anzeigen zu lassen. „Lokal“ heißt: man sieht Beiträge, die auf der Instanz, auf der man sich angemeldet hat, veröffentlicht wurden. Zur föderierten Timeline sagt Mastodon: „Dies sind die neuesten öffentlichen Beiträge von Personen auf diesem und anderen Servern des dezentralen Netzwerks, die dieser Server kennt.“ Mitunter kommen in der föderierten Timeline die Beiträge* aber so schnell, dass ich nicht folgen kann. In der föderierten Timeline liest man auch Dinge wie „meine Katze kann Kopfstand machen“ oder „mein hochbegabtes Kind macht leider nur Dummheiten“, die sind in meiner lokalen Timeline seltener, und das gefällt mir recht gut. (Nichts gegen Ihre Katzen oder Ihre Kinder, aber es interessiert mich einfach nicht so sehr, ob sie auf dem Kopf stehen oder auf den Füßen.) Die Startseite ist wohl ähnlich wie die Startseite auf Twitter, und auch langsamer als die föderierteTimeline.

Schließlich Elon Musk: ein schwieriges Thema. Sollte man ihm Twitter unwidersprochen überlassen oder sollte man ihm etwas entgegensetzen? Kann man überhaupt etwas tun?

Hier noch ein Link zu Mastodon als Twitter-Alternative, aus berufenerem Munde.

*Ich weigere mich noch, „toots“ zu schreiben. Das klingt mir doch zu albern.

Das erste Adventslicht brennt.

Am Vortag ein Zither-Konzert in Sankt Stephan, einer der beiden katholischen Kirchen in meiner Nähe. Eine steht an jedem Ende des Straßenabschnitts, an dem ich wohne, Sankt Stephan ist die kleinere. Mozart, Händel, dann Moderneres, schließlich Volkstümliches und Weihnachtliches. Das Publikum kommt überwiegend aus der Nachbarschaft.

Zuvor eine Dokumentation auf Arte: Sturmhöhe. Den Roman habe ich zuerst im Leistungskurs Englisch gelesen. Viel wirklich Neues erfahre ich nicht, trotzdem wird mein Laiinnenwissen zumindest aufgefrischt.

Zum Wandern ist es zu kalt. Hätte ich mich rechtzeitig um einen warmen Wanderanorak gekümmert, wäre es das nicht. So muss ich meine Pläne ändern und eine Runde durch einen der örtlichen Parks drehen, wo mein Wintermantel nicht fehl am Platz ist.

Meinen Twitteraccount wickele ich in diesen Tagen ab. Weniger wegen Elon Musk, den man sicher im Auge behalten sollte. Mir ist Twitter inzwischen zu viel. Meine winzige Nische auf Mastodon soll ein Neuanfang sein, weniger Menschen, mehr Literatur und Sprache. Einigen geschätzten Twittergeschwistern begegne ich dort wieder, zwei sehr geschätzte haben mir sogar ihre E-Mail-Adressen geschickt, worüber ich mich besonders freue. Manche haben Blogs, denen ich hier folge. Andere scheinen nicht unbedingt Kontakt halten zu wollen, aber das ist in Ordnung.

Der größte Fußfallfan im näheren Büroumfeld ist irritiert über die Haltung der deutschen Mannschaft. Es wundert mich, kenne ich doch seine sonstige Haltung. Aber vielleicht ist auch für ihn das Maß nun voll. Ich äußere mich nicht

Susi Südzucker beklagt sich, dass ein Kunde aus Schleswig-Holstein sie nicht versteht. Ich rufe den Kunden zurück. Er spricht gemäßigtes Platt, durchaus verständlich. Hinterher schicke ich ihr eine Nachricht, dass sie eben nicht Schwäbisch mit solchen Kunden sprechen darf, wenn sie verstanden werden will. Ich formuliere es scherzhaft, aber sie begreift nicht.

Auf dem Heimweg kaufe ich einen Kalender für 2023. Die App auf dem Handy nutze ich nicht mehr, die ist mir zu langsam und zu unübersichtlich. Vor dem Laden höre ich ein Gespräch zwischen einer alten Dame mit osteuropäischem Akzent und einer muslimischen Familie mit. Die Dame bringt dem sehr kleinen Mädchen bei, „mashallah“ zu sagen. Die Eltern amüsieren sich, die Dame erzählt, dass sie katholisch ist und lange in muslimischen Ländern gelebt hat.

Dankbar für ein warmes Federbett. Ein Dach über dem Kopf. Genug zu Essen. Medizinische Versorgung. Ein regelmäßiges Gehalt. Wachsende innere Unabhängigkeit mit zunehmendem Alter.

Anderes fehlt.

Abends Geschrei auf der Straße. Der schizophrene Nachbar hat letzte Nacht wieder um Hilfe gerufen.