Anderswo

Friederike Mayröcker ist gestorben

Frau Herzbruch erklärt das Gendern, ein für alle Mal und so, dass es jede*r verstehen müsste.

Die Sprache der Waisen von Vunapope ist wohl die einzige Kreolsprache, die auf dem Deutschen basiert.

Olivier Mannoni hat Hitlers „Mein Kampf“ ins Französische übersetzt. (Bericht auf französisch, zum Lesen und zum Hören. Falls Sie sich fragen: Olivier Mannoni ist über jeden Verdacht erhaben. Der Mann ist ein aufrechter Linker.)

Pepe de la Matrona singt eine der schönsten Peteneras, die ich kenne.

17.05.2021

Eine Woche Blogpause. Für ein Tagebuchblog ist das eine verhältnismäßig lange Zeit.

Bilanz gezogen und mir selbst ein paar unangenehme Wahrheiten gesagt. Eine der angenehmeren Wahrheiten: Die Ruhe und Isolation des Home Office tun mir inzwischen gut. Privat habe ich wenig zu tun, aber viel Zeit, über die Vergangenheit zu grübeln. Was gewissermaßen gut ist, denn ich erkenne Muster, die ich früher nicht erkannt habe.

Die Firma teilt mit, die Betriebsärzt*innen würden voraussichtlich im Juni mit den Impfungen beginnen. Auch mein Hausarzt bittet darum, dass Patient*innen unter sechzig sich nicht vor Juni melden mögen. Das Impfzentrum hat noch nicht von sich hören lassen, also warte ich weiter, wer zuerst einen Termin für mich hat.

Da die Inzidenzen niedriger sind und Sport ohne Kontakt auch in Innenräumen erlaubt ist, gehe ich in mein Kellerloch auf der anderen Seite der Isar und übe ein bisschen Flamenco. Die Siguiriya kann ich noch, die Tientos werde ich neu choreographieren müssen. Ich erinnere mich beim besten Willen nicht mehr an meine Choreographie und weiß nur noch, dass ich ein paar Sequenzen vom Herrn Lehrer übernommen habe.

Für einen Monat habe ich Netflix, weil ich unbedingt „Unorthodox“ sehen wollte. Shira Haas ist eine wunderbare Schauspielerin, aber von der Serie bin ich ein bisschen enttäuscht. Den restlichen Monat werde ich mit der dritten und vierten Staffel von „Bron / Die Brücke“ herumbringen.

Am Abend gewittert es, und ich räume die oberen Fächer des Balkonregals ab.

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Anderswo

Gesetzt den Fall, ich wäre gescheit genug, ein Buch zu schreiben, und das Buch wäre auch noch gut genug, um es einem Verlag unterzujubeln, dann würde ich mich vermutlich heillos mit dem Lektor zerstreiten, weil ich nicht einsähe, warum meine liebevoll gemalten Bilder schief sein sollten. Die Welt kann also froh sein, dass ich kein Buch schreibe, sondern nur, wie es ein trotzdem sehr geschätzter Blognachbar einmal ausdrückte, das Internet vollschmiere. Herr Glumm, ein anderer und ebenfalls sehr geschätzter Blognachbar, hat nun aber wirklich ein Buch geschrieben. Ich habe es noch nicht gelesen, aber ich mache es, versprochen! Erst einmal hat Herr Driesen Herrn Glumm lektoriert und darüber geschrieben.

Der Faktenfuchs über Dr. Karl Lauterbach.

Eine vergessene Dichterin: Misuzu Kaneko.

Und ein Lehrmädchen.

Ein Tango aus Granada (gesungen von Carmen Linares, deren Antología gern als die Bibel des weiblichen Flamencogesangs bezeichnet wird.)

Anderswo

Ein Text von Sophia hat mich hieran erinnert.

Bei Carmilla de Winter habe ich einen Verweis auf eine Petition gefunden. Queere Menschen müssen geschützt werden, ebenso wie alle anderen. Im Grundgesetz steht noch nichts davon, aber das muss sich ändern.

Stella Arauzo, die jahrelang erste Tänzerin in der Kompagnie Antonio Gades war, ist wohl eine unglaubliche Lehrerin. Heute leitet sie die Kompagnie.

Linsenfutter über Volksverhetzendes bei WordPress.

Myriade hat eine Geschichte geschrieben. Der Tag X und Phase 2.

20.02.2021

Darf man während einer Pandemie den eigenen Keller betreten? Sicher, aber was ist, wenn der eigene Keller sich nicht im selben Gebäude befindet wie die eigene Wohnung? Man darf hier die Wohnung nur aus triftigem Grund verlassen. Sport unter freiem Himmel ist erlaubt, Treffen mit maximal einer Person aus einem anderen Hausstand ebenfalls, sogar in geschlossenen Räumen. Im eigenen Wohnwagen und in der eigenen Ferienwohnung dürfte ich übernachten und/oder nach dem Rechten sehen. Aber ist es erlaubt, den eigenen Keller im nächsten Stadtviertel zu betreten, um dort ein bis zwei Stunden mutterseelenallein Flamenco zu tanzen? Ich dürfte mit einem Personal Trainer sogar in der eigenen Wohnung trainieren. Auch als Hobbymusikerin dürfte ich mit einer weiteren Person in einem geschlossenen Raum proben. Ich beschließe, dass ich Hobbymusikerin bin – Flamencoschritte sind ja auch Percussion – und ein Personal Training, wenn auch ohne Personal Trainer absolviere.

Nach Monaten nutze ich den ÖPNV und sehe ausnahmslos korrekt getragene FFP-2-Masken. Eine freundliche Kroatin spricht aus, was ich denke: Im Bus hält man überwiegend Abstand, beim Spaziergang an der Isar nicht. Die Massen sitzen, stehen, gehen am Ufer und berühren sich dabei nur gerade so nicht.

Ich tanze nur gut 90 Minuten, das reicht für ein bisschen Körper- und Fußtechnik, Tango, Guajira, Farruca und Petenera. Die Choreographien kann ich mit nur zwei „Hängern“ noch, was mich selbst überrascht. Die „schweren Brocken“ Siguiriya und Tientos lasse ich aus. Ich fühle mich nach der langen Tanzabstinenz weder geistig noch körperlich in der Lage.

Im Spiegel finde ich mich alt, dick und hässlich. Meine grauen Haare ärgern mich. Die Kilos, die ich coronapanikbedingt anfangs abgenommen hatte, habe ich coronafrustbedingt fast wieder zugelegt. Der Mangel an körperlicher Betätigung hat Spuren hinterlassen. Ja, meine Arme sind beim Tanzen nach wie vor ästhetisch (wenn ich daran denke, die Schultern unten zu lassen), ja, auch Carmela Greco, um einiges älter als ich, steht seit Jahren ungeniert mit grauen Haaren auf der Bühne. Ich werde keine Bühne mehr betreten, und dennoch…

Eigentlich will ich auf dem Rückweg nur einmal schauen, ob sie im Bioladen farbloses Henna haben. Haben sie nicht, und ich komme mit mokkabraunem Haarfärbemittel nach Hause. Zu Hause ärgere ich mich über mich selbst und diesen unnötigen Kauf und stelle die Farbe als ein Monument meiner Dummheit ins Regal.

Anderswo

Beinahe hätte ich es vergessen, das Anderswo.

Warum glauben Menschen, sie hätten ein Recht, über die Körper anderer Menschen zu verfügen?

Juna über den Talmud, den man nun online lesen kann.

Es ist keine Zeit für Helden, sagt Solminore.

Die Beifängerin über eine große Versuchung (Thema: Rechtsradikalismus, Faschismus und wie die Gesellschaft, also wir alle, damit umgehen.)

Wenn Sie Spanisch verstehen und möglicherweise schon ein bisschen Gitarre spielen können, dann hat Emilio Caracafé vielleicht etwas für Sie. (Werbung, für die ich nichts bekomme.)

Anderswo

Mit etwas Verspätung verlinkt: Christa Chorherr über den Tag der Unschuldigen Kinder, und was er heute für uns bedeuten könnte.

Über Sennerinnen.

Wir alle kennen die Biene Maja. Inzwischen wissen die meisten von uns auch, dass W. Bonsels ein Antisemit war. Er hatte eine Verehrerin, mit der er Briefe wechselte und die später in Auschwitz starb.

Ebenfalls mit Verspätung verlinkt, aber Sie können es sich ja fürs nächste Jahr aufheben: Ein Landwirt träumt nicht von weißer Weihnacht.

Er kann auch anders. Diego Jiménez Salazar „El Cigala“ hat im Laufe der Jahre viele Genres der spanischsprachigen Musik ausprobiert. Hier noch einmal die Wurzeln seiner Kunst.