Pandemiespaziergang

Kein gutes Licht und wenig Energie. Sie müssen sich das nicht anschauen. Es war trocken auf dem Friedhof, sehr trocken. Die erschöpfte Natur hat jedoch ihre eigene Schönheit.

Übrigens ist es an der dicht mit wildem Wein bewachsenen Friedhofsmauer deutlich kühler als auf der anderen Straßenseite, obwohl die Sonne auf die Mauer scheint. Das mit der Fassadenbegrünung scheint tatsächlich zu funktionieren.

Im Garten meiner Großmutter, der jetzt meinem Patenonkel gehört, gibt es nur noch einen Johannisbeerstrauch. einen Stachelbeerstrauch und einen Apfelbaum. Mehr braucht ein alter Mann wohl nicht. Aber Rosen hat er gepflanzt, Mainzer Fastnacht, Gloria Dei und viele andere, die ich gar nicht kenne. Er schimpft über die Arbeit, die ihm die Rosen machen, andererseits weiß er auch, dass Rosen etwas aushalten und sehr unverdrossen blühen können.

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Einen wunderschönen Park hat die Schlossanlage Schleissheim. Es gibt einen Hofgarten, eine Kaskade, die fast wie das Meer rauscht, klug platzierte Sichtachsen und vieles mehr. Da könnte mir eine Geschichte einfallen über einen Gärtner, der eine feine Dame verführt, indem er ihr Geschichten über seinen Garten erzählt. Im Gegenzug erzählt sie ihm vom Meeresufer, an dem sie vor ihrer Heirat lebte und das er nicht kennt… (Wenn Sie die Idee mögen, stehlen Sie sie ruhig. Mir fehlt ja, wie Sie wissen, der Antrieb zum Schreiben. Das hier ist kein Schreiben, sondern nur Spielerei.) Freund B schicke ich ein Foto vom Schloss Lustheim und dem Park. Er fragt, warum keine Leute im Park sind. Ich vermute, weil es ein Werktag und noch früh ist.

Im Schloss Lustheim sehe ich Meißener Porzellan aus dem 18. Jahrhundert, und mir fällt auf, dass einige Muster auch in späteren Zeiten noch verwendet wurden, so zum Beispiel ein komplizierter Goldrand, den ich auch auf dem Geschirr einer Tante gesehen habe. Das Geschirr meiner Tante kann aber frühestens um 1900 entstanden sein und wurde wahrscheinlich an sie vererbt. Zum ersten Mal begegnen mir „Koppchen„, und ich erinnere mich an das Wort „Käppchen“, mit dem meine Mutter in ihrem Dialekt eine Kaffeetasse bezeichnet. Irgendwann, wenn ich einmal alt und reich bin, werde ich eine Schokoladekanne besitzen, die den Henkel an der Seite hat. (Man wird doch träumen dürfen, oder etwa nicht?)

Im Neuen Schloss weicht mir ein misstrauisch blickender Museumswärter nicht von der Seite. Als ob ich eins der Kolossalgemälde klauen wollte! Die meisten sind unbeschreiblich hässlich, einzig Pietro da Cortonas Ehebrecherin weckt mein Interesse. Und da ist noch ein zartes Porträt einer alten Frau. Es wird Murillo zugeschrieben. Die Porträtierte ist mit Sicherheit eine Spanierin; Gesichter wie das ihre sieht man in den Straßen von Sevilla zuhauf. Leider stört der Wärter meine Konzentration.

Das alte Schloss zeigt eine Sammlung von Krippen; im weitesten Sinne, tatsächlich handelt es sich um biblische Szenen, die in unterschiedlichen Weltregionen auf sehr unterschiedliche Weise dargestellt wurden. Die erläuternden Texte zu den Exponaten könnten einmal überarbeitet werden. Die Sichtweise ist doch sehr kolonialistisch geprägt, bei jedem Schritt befürchtet man, auf einen Satz über „die Wilden“ zu treffen. Auffällig ist, dass viele Krippen von Frauen geschaffen wurden, oder dass sie zumindest daran mitgearbeitet haben und namentlich erwähnt werden.

Drei Schlösser sind mehr als genug, ich werde zurückkehren und mir einiges noch genauer anschauen müssen.

Pandemiespaziergang

ohne Bilder, da zu viel Regen, Hagel, Blitz und Donner

Eine Ordensfrau mit Rosenkranz und Schirm und eine Ordensfrau mit Rosenkranz und ohne Schirm galoppieren im strömenden Regen über die Kreuzung, dass die Rosenkränze und die Habite im Wind flattern.

Eine Familie mit drei Kindern und einem grünen Grill kommen aus den Isarauen.

Eine junge Frau transportiert einen Korb voll bunter Blumen mit dem Fahrrad.

Eine rosa Pfingstrose duftet.

Eine weißhaarige Dame hat sich in eine Laube gesetzt und wartet das Ende des Regens ab. Das Ende des Regens kommt aber nicht. Wie lange sie wohl gewartet hat?

Spaziergänger spazieren mit leuchtend bunten Schirmen vor grauem Himmel und grünen Bäumen.

Ich werfe nur einen kurzen Blick auf den Lieblingsbirnbaum, an dem sich ein Rosenstrauch in die Höhe rankt. Dem Rosenstrauch scheint es gut zu gehen, aber der Birnbaum wird schwächer.

Der andere Rosenstrauch, der neben der Flora, hat eine Blüte, die so perfekt ist, dass man sie fotografieren müsste, aber das Wetter ist zu schlecht.

Pandemiespaziergang

Auch in München gibt es einen Wurstautomaten. Ich muss also nicht mehr neidisch auf andere Bloggerinnen sein. Leider war der Automat kaputt, und ich habe nur den Schlachthof subventioniert.

Dafür fiel mir beim Anblick der Messerschleiferei ein Wort aus meiner finsteren Vergangenheit ein: churimengro, was man meines Wissens unter anderem mit Messerschleifer übersetzen kann. Es stammt aus dem Romanes.

Ich weiß nicht, ob Sie den Valentinstag feiern. Was mich betrifft, gratuliert mir ein einziger Mensch zum Valentinstag, obwohl ich es mir verbeten habe. Zur Strafe haue ich ihm jedes Jahr ein Lied um die Ohren, das er an dem Tag spielte, als wir uns kennenlernten.

Pandemiespaziergang

Soll man überhaupt noch „Pandemiespaziergang“ sagen, nachdem der Begriff „Spaziergang“ von den Rechten besetzt wurde? Ich habe mich entschieden, das Wort beizubehalten. Man darf ja die Sprache auch nicht den Nazis und ähnlichem Gelichter überlassen, oder?

Die Fotos von gestern

und heute