Fragen 81 – 90

81. Was würdest du tun, wenn du fünf Jahre im Gefängnis sitzen müsstest? Mich weiterbilden. Geht das heutzutage noch? Wie Albertine Sarrazin sagte: Im Knast ist es sehr gesund, dem Kopf etwas zu arbeiten zu geben (und Albertine hat genug Zeit in Haft verbracht, um das beurteilen zu können).

82. Was hat dich früher froh gemacht? Museen.

83. In welchem Outfit gefällst du dir sehr? Ich hoffe, dass ich mir im Sommer in meinem neuen blauen Rock gefallen werde.

84. Was liegt auf deinem Nachttisch? Hauptsächlich Bücher.

85. Wie geduldig bist du? Wenn es nötig ist, kann ich sehr geduldig sein.

86. Wer ist dein gefallener Held? Keiner. Helden sind auch nur Menschen mit Fehlern und Schwächen. Natürlich stolpern und fallen sie.

87. Gibt es Fotos auf deinem Mobiltelefon, mit denen du erpressbar wärst? Nein. Ich bin sehr vorsichtig in diesen Dingen.

88. Welcher deiner Freunde kennt dich am längsten? Freundin R, die ich vor vielen Jahren in meinem ersten Job kennen gelernt habe.

89. Meditierst du gern? Das habe ich nie versucht.

90. Wie baust du dich nach einem schlechten Tag wieder auf? Mit einem schönen Film oder einem Lieblingsbuch. Nach schlechten Tagen muss ich allein sein, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, aber ich brauche auch Ablenkung.

Kleines Glück

Freund B hat eine wunderhübsche Tochter. Ich kenne sie allerdings nur mit geschlossenen Augen. Auf fast jedem Foto, das er mir geschickt hat, schläft sie, mit angestrengtem und äußerst konzentriertem Ausdruck. Ist sie wach, lässt sie sich nicht fotografieren, sondern verdeckt ihr Gesichtchen mit den Händen.

Fragen 71 – 80

71. Welches Wort bringt dich auf die Palme? Proaktiv oder ähnlicher Marketingquatsch.

72. Bist du schon jemals im Fernsehen gewesen? Ja, erinnert mich bitte nicht daran.

73. Wann warst du zuletzt nervös? Wann war ich es nicht?

74. Was macht dein Zuhause zu deinem Zuhause? Die Tür, die ich hinter mir abschließen kann.

75. Wo informierst du dich über das Tagesgeschehen? Zeitung, Radio, öffentlich-rechtliches Fernsehen, teilweise auch im Internet, vor allem, wenn ich ausländische Nachrichten sehen oder hören möchte.

76. Welches Märchen magst du am liebsten? Andersens „Kleine Meerjungfrau“ fällt mir zuerst ein, aber ich mag viele.

77. Was für eine Art von Humor hast du? Staubtrocken und tiefschwarz.

78. Wie oft treibst du Sport? Nicht so oft, wie ich sollte, fürchte ich.

79. Hinterlässt du einen bleibenden Eindruck? Ich hoffe nicht. Ich bleibe inzwischen lieber unauffällig.

80. Auf welche zwei Dinge kannst du nicht verzichten? Kaffee und Lektüre. (Das ist natürlich Unsinn, man kann auf fast alles verzichten. Ich spreche hier aus der Perspektive einer Mittelschichtsangehörigen, die niemals ernsthaft Not gelitten hat.)

Gelegentlich, wenn mich die Mediatheken des öffentlich-rechtlichen Fernsehens langweilen, gönne ich mir einen Monat Netflix, oder gar zwei. Dann kündige ich wieder, denn im Grunde brauche ich das nicht, jedenfalls nicht auf Dauer. Zur Zeit sehe ich – mit einiger Verspätung – die vielbeachtete Serie „Bridgerton“, zuckersüß, bonbonbunt und mit Anklängen an Jane Austen. Wie bei Austen und bei Vikram Seth geht es um die Suche nach einem passenden Ehemann. Darüber kann ich mich amüsieren, lag mir doch genau das schon immer fern. Interessant ist die Besetzung: überdurchschnittlich viele Rollen werden von nicht-weißen Schauspieler*innen gespielt. Das ist Absicht, man wollte Vielfalt zeigen, die jedoch wohl nicht der damaligen gesellschaftlichen Realität entsprach. Rassismus wird aber kaum thematisiert. Insofern ist die Serie fast eine Art Utopie. Gute Schauspieler*innen, interessante weibliche Charaktere; die Männer bleiben eher blass. Insgesamt: eine Seifenoper für die (halb-)gebildeten Stände. Darf auch einmal sein.

Fragen 61 – 70

61. Glaubst du an ein Leben nach dem Tod? Manchmal, aber eine genaue Vorstellung habe ich nicht.

62. Auf wen bist du böse? Auf sehr wenige Leute, aber auf die wenigen gründlich.

63. Fährst du häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Immer, ich wohne in einer Großstadt und habe kein Auto.

64. Was hat dir am meisten Kummer bereitet? Nicht verstanden zu werden, trotz aller Bemühungen.

65. Bist du das geworden, was du früher werden wolltest? Gewissermaßen schon, obwohl ich es mir anders vorgestellt hatte

66. Zu welcher Musik tanzt du am liebsten? Flamenco natürlich.

67. Welche Eigenschaft schätzt du an einem Geliebten sehr? Wenn er gleichzeitig Freund ist. Freundschaft bleibt oft, wenn die Liebe schon gegangen ist.

68. Was war deine größte Anschaffung? Lachen Sie nicht: mein Bett. Dafür habe ich Geld ausgegeben, vor allem für eine ordentliche Matratze.

69. Gibst du Menschen eine zweite Chance? Ja, und auch eine dritte, vierte, fünfte. Aber irgendwann reicht es, und dann reicht es für immer.

70. Hast du viele Freunde? Nein. Ich mag Menschen, aber auf Abstand. Das halten nicht alle aus.

Fragen 51 – 60

51. Wen hast du das erste Mal geküsst? Ich erinnere mich komischerweise nicht mehr.

52. Welches Buch hat einen starken Eindruck bei dir hinterlassen? Ich glaube, den stärksten Eindruck hat „Moby Dick“ hinterlassen.

53. Wie sieht für dich das ideale Brautkleid aus? Schmal, schlicht, weiß. Allerdings würde mir das gar nicht stehen, denn ich habe eine eher üppige, weibliche Figur.

54. Fürchtest du dich im Dunkeln? Selten. Allerdings bin ich in unbekannten Häusern im Halbdunkeln schon gelegentlich erschrocken.

55. Welchen Schmuck trägst du täglich? Früher habe ich immer Ohrringe getragen, aber mit den FFP-2-Masken ist das schwierig. (Ich trage immer noch Maske, wenn ich mit Menschen in geschlossenen Räumen zusammentreffe.)

56 .Mögen Kinder dich? Ja, aber wir brauchen eine gewisse Zeit, um miteinander warm zu werden.

57. Welche Filme schaust du lieber zu Hause auf dem Sofa als im Kino? Eigentlich bin ich immer lieber ins Kino gegangen als zu Hause fernzusehen. Auch das hat sich in der Pandemie geändert.

58. Wie mild bist du in deinem Urteil? Eigentlich versuche ich, Menschen so wenig wie möglich zu be- und verurteilen, aber mit nahestehenden Menschen ist das schwierig, denn an die hat man höhere Erwartungen, glaube ich

59. Schläfst du in der Regel gut? Ich schlafe jetzt etwas besser. Wenn nicht, beantworte ich 1000 Fragen im Internet.

60. Was ist deine neueste Entdeckung? Je älter ich werde, desto freundlicher werden die jungen (vor allem muslimischen) Männer zu mir.

Fragen 41 – 50

41. Trennst du deinen Müll? Ja, immer.

42. Warst du gut in der Schule? In den Fächern, für die ich eine Begabung hatte oder die mich sehr interessierten, ja. Tatsächlich wurde ich in der Oberstufe ziemlich gut in Mathe, als wir eine schrullige Lehrerin bekamen, die die Mathematik von ganzem Herzen liebte und uns mit dieser Liebe ansteckte.

43. Wie lange stehst du normalerweise unter der Dusche? Wenige Minuten.

44. Glaubst Du, dass es außerirdisches Leben gibt? Es wäre doch sehr unwahrscheinlich, wenn wir die einzigen wären. Aber eine Vorstellung habe ich nicht.

45. Um wie viel Uhr stehst du in der Regel auf? Ich wache zwischen 5 und 6 Uhr auf.

46. Feierst du immer deinen Geburtstag? Sehr selten.

47. Wie oft am Tag bist du auf Facebook? Nie. Ich blogge, ich nutze Mastodon, das war’s.

48. Welchen Raum in deiner Wohnung magst du am liebsten? Es ist kein Raum, sondern der Balkon. Mein Gartenersatz, mein Traumland, meine Flucht vor der Welt. Ein bisschen kitschig und sehr vollgestopft.

49. Wann hast du zuletzt einen Hund (oder ein anderes Tier) gestreichelt? Auf Wanderungen kraule ich gelegentlich Kühe zwischen den Hörnern. Manche mögen das, manche nicht. Das letzte Mal war wohl im November.

50. Was kannst du richtig gut? Ich kann fast alles ein bisschen und nichts wirklich gut, glaube ich. Wobei man sich fragen müsste, wie man „richtig gut“ definiert, also welche Ansprüche man an sich selbst hat.

Fragen 31 – 40

31. Welches Buch hast du zuletzt gelesen? Diese Frage ist mir zu intim.

32. Warum hast du die Frisur, die du jetzt trägst? Sie ist praktisch, leicht zu pflegen und o.k. für meine leider schon immer sehr dünnen Haare. Außerdem steht sie mir.

33. Bist du von deinem Mobiltelefon abhängig? Ich brauche es beruflich und nutze es außerdem, um private Kontakte zu pflegen. Ich bin vielleicht nicht von dem Gerät abhängig, aber von der Kommunikation, die es mir erlaubt.

34. Wie viel Geld hast du auf deinem Bankkonto? Immer genug für einen eventuellen Notfall.

35. In welchen Laden gehst du gern? Ich gehe nicht gerne einkaufen, aber wenn, dann in den Buchladen an der Straßenecke.

36, Welches Getränk bestellst du in einer Kneipe? Wasser, Kaffee oder ein Glas Wein. Allerdings war ich einmal in einem Lokal, das anscheinend von serbischen Kriegsverbrechern frequentiert wurde. Da habe ich brav mein Bier aus der Flasche getrunken wie alle anderen auch.

37. Weißt du normalerweise, wann es Zeit ist, zu gehen? Ich fürchte, nein. Ich bin absolut nicht gesellschaftsfähig.

38. Wenn du dich selbstständig machen würdest, mit welcher Tätigkeit? Mit einem Spezialgeschäft für fremdsprachige Literatur.

39. Willst du immer gewinnen? Nein. Gewinnen interessiert mich nicht. Mit diesem meinem Desinteresse ecke ich bei sogenannten „Spieleabenden“ sehr an.

40. Gehst du in die Kirche? Gelegentlich setze ich mich in eine der hiesigen Kirchen, um zur Ruhe zu kommen. Gottesdienste besuche ich selten.

Fragen 21 – 30

Wer nicht schlafen kann, soll bloggen. So will es das Gesetz. Mir fällt aber nichts ein, also weiter mit den Fragen:

21. Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken? Ich behaupte immer: nein. Aber das ist nicht wahr. Ich bin aufgewachsen mit dem Satz „was sollen denn die Leute denken?!“ Dieser Satz spukt immer noch in meiner Psyche herum

22. Welche Tageszeit magst du am liebsten? Den frühen Morgen, wenn die Welt noch aussieht wie frisch gewaschen.

23. Kannst du gut kochen? Nein, aber ich kann gut essen. Scherz beiseite, ich habe in meinem Elternhaus kochen gelernt. Ich bin eine mittelprächtige Köchin. Was ich gut kann: würzen. Mitunter verwende ich auch das „Gewürz der Seligen“. So nennt man das in meiner Großfamilie, wenn eine Speise ein ganz kleines bisschen angebrannt ist. Bei Weckewerk muss das sogar so sein, das heißt dann „auf Bürgermeisterart“. Es soll einmal einen Bürgermeister in Kassel gegeben haben, der aß nur das von seiner Mutter gekochte Weckewerk, und die ließ es eben immer ein bisschen anbrennen.

24: Welche Jahreszeit entspricht deinem Typ am ehesten? Ein richtig heißer Sommer. Wenn ich es auf einen Monat beschränken müsste, wäre aber ein verregneter November eine echte Alternative.

25. Wann hast du zuletzt einen Tag lang überhaupt nichts gemacht? Kürzlich war ich krank, da habe ich es nach langer Zeit wieder einmal geschafft, nichts zu tun.

26. Warst du ein glückliches Kind? Meine Mutter sagt: ja. Ich selbst bin da nicht so sicher.

27. Kaufst du oft Blumen? Schnittblumen so gut wie nie, als Samen für den Balkon jedes Jahr, im Topf gelegentlich.

28. Welchen Traum hast du? Erst wollte ich schreiben: keinen mehr. Aber fiel mir doch noch einer ein: dass Freund Bs Tochter, die kleine Sidra, in Afghanistan einmal ein freies, selbstbestimmtes Leben führen kann. Sie ist jetzt acht Tage alt. Meinen Sie, wir schaffen das, bis sie erwachsen ist?

29. In wie vielen Wohnungen hast du schon gewohnt? Wenn ich auch die Studentinnenzimmer mitrechne, sind es elf Unterkünfte, glaube ich.

30. Welches Laster hast du? Ich sage in der Regel die Wahrheit und erwarte das auch von anderen. Ansonsten alle sieben Todsünden außer dem Geiz.