Anderswo

Über Hautfarbe

Hunger (englisch).

Die Fischer von Boulogne-sur-Mer. (Praktisch nebenan hat meine Familie ihre Urlaube verbracht, als ich ein Kind war.)

Die erste Dichterin.

Georges Brassens, L’Auvergnat. (Für R.M. Weil er mein Auvergnat ist.)

Ein Hinweis in eigener Sache: In letzter Zeit „frisst“ WordPress manchmal Links, d.h. die Texte hinter den Links verschwinden im Nirwana. Sollte das hier wieder passiert sein, geben Sie mir bitte einen Hinweis.

Mit Freund B spreche ich über den bevorstehenden Winter. „Wer Geld hat, heizt mit Kohle oder hat eine Zentralheizung. Alle anderen holen gerade die Steppdecken heraus“, erzählt er. Ich erinnere mich an einen afghanischen Film, den man zu anderen Zeiten als neorealistisch bezeichnet hätte, in dem die Familie, in Steppdecken gewickelt, beim Essen saß. Ich erzähle ihm vom Haus meiner Großeltern, einem Haus ohne Heizung, aber mit einem großen, alten Ofen in der Küche. Meine andere Großmutter hatte ein Haus mit Zentralheizung, aber für alle Fälle noch einen kleinen, gusseisernen Ofen im Wohnzimmer. Der Ofen steht jetzt im Keller bei meiner Mutter und er funktioniert noch.

Ist Ihnen aufgefallen, dass in der U-Bahn alle nur noch aufs Handy starren? Oder ist das nur in München so? Ich tue es ja auch, z.B. um in einer App die Tageszeitung zu lesen. Vermutlich ist mir deshalb der eine Mann aufgefallen, der mit dem Buch aus der Bibliothek.

Das Mütterlein hat mir seinen Weihnachtswunsch mitgeteilt: eine Spende in ihrem Namen an eine Organisation, deren Arbeit sie schon seit Jahren unterstützt. Sie wünscht sich nichts Materielles mehr, sie hat alles.

Im Büro intensive Arbeit. Ich arbeite zügig, hetze mich aber nicht mehr. Den Anspruch, die Welt zu retten, habe ich mir in den letzten zwei Jahren abgewöhnt.

Freund B ist Wirtschaftswissenschaftler, kein Philosoph. Einer, der den gemäßigten Taliban immer noch nahe steht, aber Frauenbildung für wünschenswert hält. Der Tod von Mahsa Amini schockiert ihn, der ansonsten ein Befürworter der Vollverschleierung ist und sie aus dem Koran begründen will. Ich bitte ihn, mir die persische Version von Bella Ciao zu übersetzen, die derzeit im Iran gesungen wird, aber er ist überfordert und kann mir nur sagen, dass es um Einigkeit und um das Andenken an Mahsa Amini geht.

Italien hat gewählt. Schlimmer geht anscheinend immer. Ich habe die italienische Politik in den letzten Jahren aus Gründen nicht verfolgt, das sollte ich wohl besser wieder tun.

Sehr, sehr viel beruflicher Stress, der sich inzwischen physisch und psychisch auswirkt.

Anderswo

Gedanken über die Proteste im Iran, die ausgelöst wurde durch den Tod von Mahsa Amini in Polizeigewahrsam. Und an Jamshid Sharmad. Sie wissen sicher, dass Dietrich Bonhoeffer noch am 09. April 1945 hingerichtet wurde? Was, wenn das iranische Regime sein Ende sieht und anfängt, um sich zu schlagen? Ich war noch ein Kind, als die Bockenheimer Landstraße schwarz von demonstrierenden Student*innen war, die riefen: „Der Schah ist ein Mörder und Faschist!“ Ich denke nicht, dass sie sich ein Regime wie das derzeitige vorgestellt haben.

Die Erinnerung an die Sklaverei ist noch lebendig.

Besonders schöne Fürbitten von dem katholischen Pfarrer Wolfgang F. Rothe aus München.

Kinderarbeit in Afghanistan.

Ich bin noch nicht sicher, was ich von ihm halte: Ridan, Madame La République.

Passbilder gemacht, sehr hässliche und billige Automatenfotos. Sie sind ja nur für die Krankenversicherungskarte und erfahrungsgemäß ohnehin kaum zu erkennen. Keine Ahnung, welcher Marketing-Dämelack sich den Begriff „Gesundheitskarte“ ausgedacht hat.

Meine Schwester kommt im Oktober und bringt mir die geerbten Stühle.

Wäre ich wohl im Dritten Reich emigriert? Wenn ich jung und unabhängig gewesen wäre, sicher. Ansonsten wäre es schwierig gewesen. Freund B hat darüber nachgedacht, Afghanistan zu verlassen, aber auch schon vor den Taliban. Er kannte nur Krieg und hat sich von den Taliban eine Art Frieden erhofft. Ich habe das vielleicht schon einmal erzählt. Ich glaube, er würde das Land auch jetzt noch gerne verlassen, aber er hat alte Eltern und eine jüngere Schwester, die studieren will und die er unterstützt, wo er kann. .

Anderswo

Da wollte ich gestern die Links posten, die mir aus irgendeinem Grund wichtig oder zumindest interessant schienen, aber irgendetwas habe ich falsch gemacht und sie verschwanden im weltweiten Nirvana. Aber dann fand ich sie wieder.

Emran Feroz über das Reisen in Afghanistan, die Taliban und seine Familie.

Noch einmal Emran Feroz (über dessen Nachnamen ich immer lächeln muss), diesmal im Interview.

Naser Koshan über die Taliban, ein Jahr nach der Machtübernahme. Eine traurige Bilanz, meine ich.

Über die Instrumentalisierung der Burka. Frauen tragen die Burka, um sich zu schützen, sagt die Autorin. Das sollte nicht notwendig sein und ist ein Armutszeugnis für die Männer.

Ich verlinke hier sehr unterschiedliche Autoren. Wie Sie sich denken können, bin ich nicht mit allen in allen Punkten einverstanden. Ich versuche, zu lernen. Dazu ist es notwendig, unterschiedliche Stimmen zu hören. Freund B, der sich inzwischen als ein Anhänger der eher gemäßigten (städtischen?) Taliban entpuppt hat, schüttelt immer noch mein Weltbild durch. Ich frage ihn scheinbar nach Privatem, aber das Private ist politisch, wie wir wissen. So nähern wir uns einander an und entfernen uns wieder voneinander. Dabei ist es mir wichtig, meine Position klar darzustellen, aber seine zumindest zu respektieren. Manchen ist letzteres schon zu viel, aber wie soll ein Dialog ohne Respekt funktionieren? Hablando se entiende la gente.

Anderswo

Susanne Wosnitzka erinnert an eine in Vergessenheit geratene Komponistin.

Nun ist auch der andere Zwilling gestorben.

Taliban, Al-Qaida und islamischer Staat. Sind die Taliban Jihadisten? (Dass die Familie Haqqani Osama Bin Laden nur aus Verpflichtung zur Gastfreundschaft Unterschlupf gewährt hat, wage ich allerdings zu bezweifeln. Es hat da wohl gemeinsame Ziele gegeben, und von Jalaluddin Haqqani, dem Vater des jetzigen Innenministers, weiß man, dass er auch ungewöhnliche Allianzen einging, wenn er sich davon einen Vorteil versprach.)

Macht sich die Künstlerin Rosalía der kulturellen Aneignung schuldig.? Ich meine, das tut sie nicht. Sie kann nämlich sehr ordentlich Flamenco singen, und wenn sie einen Teil ihrer musikalische Wurzeln verarbeitet, dann ist das m.E. ihr gutes Recht. Die Rumba, die sie hier singt, hat übrigens Manuel Vallejo 1926 kreiert.

Alt ist sie geworden, die Doña Cristina, aber ihre Hände sind immer noch eine Klasse für sich.

Jung war sie hier schon nicht mehr, aber (in meinen Augen) auf dem Höhepunkt ihrer Schönheit und Kunst. Die Choreographie, stark pantomimisch und mit vergleichsweise simplem Schrittmaterial, war nicht ihr Werk, soweit ich weiß, sie mag aber dazu beigetragen haben.

(Das war nun sehr flamencolastig. Wie schon einmal gesagt: Sie müssen das alles hier nicht lesen.)

#SaveElaha

Zunächst las ich nur auf Twitter davon, und wie wir alle wissen, kann man sich auf Twitter nur bedingt verlassen.

Was ist passiert? Die Afghanin Elaha Delawarzai soll von einem Talibanfunktionär entführt, vergewaltigt und zur Heirat gezwungen worden sein. Ihre Erfahrungen schilderte sie in einem Video. Ihr Ex-Ehemann beschuldigt sie nun, vom Glauben abgefallen zu sein.

Hierzu ein Artikel, der auf Rukhshana Media veröffentlicht wurde. Wikipedia über Rukhshana Media.

Zur Wertung von Apostasie und Blasphemie in islamisch geprägten Ländern habe ich auf Qantara einen Artikel gefunden. Demnach kann in Afghanistan der Abfall vom Glauben mit dem Tod bestraft werden. Der Artikel ist allerdings am 28.06.2021 erschienen, also kurz vor der erneuten Machtübernahme der Taliban. Laut Freund B gilt in Afghanistan die Sharia; über die Auslegung und Anwendung scheint man jedoch sogar unter Taliban geteilter Meinung zu sein. Die Rechtsprechung in Afghanistan, soweit wir hier davon erfahren, scheint mir generell schwer nachzuvollziehen.

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Ich bitte allfällige Leser*innen und Kommentator*innen, sich ein generelles Paschtunen-Bashing zu verkneifen. Entsprechende Kommentare werden – je nach Laune – beantwortet, wie sie es verdienen, oder gleich gelöscht. Ich weiß nicht einmal, ob die Beteiligten Paschtun*innen sind.