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Weiter bloggen oder es lassen?

Kommentare erlauben oder verbieten?

Anderswo böse Unterstellungen. Ich befürchte so etwas demnächst auch hier. Wie lebt man, ohne zu schreiben? Ohne zu tanzen? Manche haben es nie getan. Hatten die das Bedürfnis nicht oder sind die einfach nur viel klüger als ich?

Das Tagebuchbloggen geht mir auf die Nerven. Ich versuche es wieder mit den Wochenmäandern. Die Älteren unter Ihnen erinnern sich vielleicht, dass es diese Kategorie auf dem Vorgängerblog gab.

Inzwischen ist auch die schon länger geplante Zahnbehandlung beendet. (Die kürzlich entzündete Zahnwurzel war natürlich nicht geplant, sonst wäre ich schon früher erlöst gewesen.) Zum Ausgleich tut mir 24 Stunden lang der Nacken weh, weil der letzte der zu behandelnden Zähne ganz hinten im Oberkiefer sitzt und ich in sehr unnatürlicher Haltung verharren musste, damit die Zahnärztin überhaupt dorthin kam.

Hier ist die Sonne zurück; ich kann wieder barfuß am Schreibtisch sitzen. Ansonsten: zu wenig Regen in weiten Teilen Deutschlands. Barfuß am Schreibtisch kann ich nur deshalb sitzen, weil ich diesen Monat noch im Home Office bin. Einmal trage ich sogar einen Rock, aber einen aus schwerem Stoff, der so warm ist wie eine Jeans.

Herr von Oben, der Bauarbeiter im Home Office, ist ausgezogen. Nun wird die Wohnung von Grund auf renoviert, d.h. in puncto Baulärm bleibt alles beim alten. (Ich frage mich heute noch, was Herr von Oben eigentlich getan hat. Musste er noch üben oder nachsitzen, oder hat er sich Steinmetzarbeiten mit nach Hause genommen? Ich werde es nicht mehr erfahren, denn Herr von Oben scheint in den wohlverdienten Ruhestand getreten zu sein.)

Ich kaufe sündteuere Pfingstrosen. Als ich ein Kind war, schnitt meine Großtante im Garten Pfingstrosen und verteilte sie in riesigen Vasen im Haus. Der Duft war unbeschreiblich, die Sträuße ein Sinnbild des Überflusses. Im Garten wucherten die verbliebenen Blumen unverdrossen weiter. Auf dem Balkon treibt der Lavendel aus und will blühen. In den Töpfen mit den bienenfreundlichen Gewächsen wuchert etwas, das sehr außerirdisch wirkt.

Kleinchef hat endlich einen Termin für das Mitarbeitergespräch gefunden. Ich überlege, ihm in aller Freundlichkeit cuatro palabritas claras (ein paar warme Worte) zu sagen.

23.03.2022

Die Uhr geht ein bisschen falsch, aber ich weiß nicht, wie man sie stellt. Da das integrierte Thermometer nicht mehr funktioniert und ich genug Uhren habe, überlege ich, sie demnächst in den Ausmistsack zu stecken. Platz schaffen. Der geschaffene Platz ist allerdings nicht der Rede wert.

Machen Sie das eigentlich auch? Schauen Sie ein paar Tage später noch einmal nach, was Sie eigentlich auf Nachbarblogs kommentiert haben, nur für den Fall, dass Sie etwas entsetzlich Dummes kommentiert haben? Was tun Sie, wenn Sie etwas Dummes kommentiert haben? Bitten Sie den Blognachbarn, Ihre Dummheiten gnädig zu löschen? (Das wäre mir noch peinlicher als der dumme Kommentar.)

Was in der Ukraine geschieht, ist entsetzlich. Dennoch bete ich, dass die Nato nicht in den Krieg eintritt. Die Konsequenzen für Europa wären furchtbar. Ich schäme mich, weil ich das sage, aber ich kann nicht anders.

Freund B ist wütend. Er mag ein Talib sein, aber die Mädchen in seiner Familie sollen zu Schule gehen. Wir werden ihnen (der Regierung) das nicht durchgehen lassen, verspricht er. Man wird sehen.

Es ging / geht mir nicht gut. Wenn die Zahngeschichte ausgestanden ist, gehe ich zum Hausarzt. So geht das nicht weiter. Immerhin schaffe ich eine mittelschnelle Sevillana, nachdem ich den Keller weiter hergerichtet habe.

Am 20.03.2022 war Nowruz, Neujahr. Die Taliban hatten zuvor angekündigt, dass sie niemanden daran hindern werden, Nowruz zu feiern. Fakt ist aber, dass viele Menschen in Afghanistan sowieso nicht feiern konnten, weil sie nicht einmal das Nötigste haben. So erzählt Freund B.

02.02.2022

Diese Starre, die mich mitunter befällt. Ich würde Ihnen gerne schöne Geschichten erzählen, aber ich habe keine.

Der beste Ex der Welt ist trotz Genesung und Impfungen zum zweiten Mal an Covid19 erkrankt, aber vergleichsweise leicht davongekommen.

Freund B ist rührend um mich besorgt, dabei bin ich es, die mir Sorgen machen müsste.

In Afghanistan sollen die Universitäten spätestens im Frühjahr geöffnet werden und für Frauen und Männer zugänglich sein. Was das aber für die Zukunft bedeutet, weiß ich nicht. Vor ein paar Wochen sagte ein Mitglied der Taliban-Regierung, für Frauen genügten islamische Schulen. Dort können Frauen auch einen Abschluss auf Abitur-Niveau machen, allerdings sind die angebotenen Fächer islamisch geprägt. Laut Freund B können sich die Absolventinnen danach an der Universität für Religionswissenschaft, islamisches Recht oder Sprach- und Literaturwissenschaft einschreiben. Man weist den Frauen ihren Platz zu.

In meinem WordPress Reader erscheinen nicht mehr alle Blogs, denen ich folge. Oder sie erscheinen, aber nur unregelmäßig. Wenn ich dann wieder einmal lese, stelle ich fest, dass ich zwei, drei oder mehr Beiträge verpasst habe. Antville ist so ein Fall. Ich werde mir etwas überlegen müssen, damit ich neue Einträge auf meinen Lieblingsblogs nicht immer verpasse.

13.09.2021

Das Monster ist kein Monster, denke ich noch am Morgen. Dann komme ich auf die Idee, seine auf Paschtu und Dari geschriebenen Tweets durch den Googleübersetzer laufen zu lassen. Nicht bösartig, aber ein Hardliner, und dazu ein sprachgewaltiger mit scharfer Zunge. Nicht einmal der Googleübersetzer kann das verhehlen. Zum 11. September äußert er sich nicht, weder bedauernd, noch triumphierend. Mit Sicherheit ist er aber kein naiver Junge, der aus Versehen in die Fänge der Taliban geraten ist. Er spricht mindestens drei Sprachen, und er hat möglicherweise einen gewissen Einblick in die Pläne der neuen Regierung Vor ein paar Tagen schon hat er mir seine Handynummer gegeben und vorgeschlagen, per WhatsApp zu kommunizieren. Ich speichere die Nummer zunächst, lösche sie aber wieder. Kann man sich mit einem Talib überhaupt verständigen?

Auf Twitter finde ich die afghanische Künstlerin Shamsia Hassani. Ihre Bilder berühren mich sehr.

Anderswo macht sich Unlust am Bloggen bemerkbar. Das ist schade, handelt es sich doch um zwei langjährige Blogger, die ich sehr schätze. Noch anderswo wird gar nicht mehr geschrieben.

Ich selbst betrachte die Welt mit zunehmender Verzweiflung.