Drei Tage pro Woche im Büro, zwei im Home Office. Zwei von der Firma zur Verfügung gestellte Schnelltests pro Woche und eine Packung FFP2-Masken. Auf den Fluren, in den Besprechungen überwiegend maskenfreie Nasen und Münder.

Der Oberchef gibt zu, dass das Pensum der letzten zwei Jahre nicht zu schaffen war. Wir sollen uns aber mehr anstrengen und vor allem dankbar sein, dass wir immer noch teils im Home Office arbeiten dürfen. Nicht, dass das Home Office keine Vorteile für die Firma mit sich brächte. Die sonst umgängliche Kollegin B verliert die Nerven und wird sehr deutlich. Hinter meiner Maske muss ich lächeln, denn sonst bin ich häufig diejenige, die derart deutlich Kritik übt.

Die Tirade, die ich vorbereitet hatte, verkneife ich mir. An den Oberchef ist jedes Wort verschwendet.

Der Corona-Test ist negativ.

Es reicht.

Ich habe mich von Twitter abgemeldet, erst einmal für vierzehn Tage, danach sehen wir weiter. Dummheit und Unvernunft, Diskussionen bis hin zum Streit mit eigentlich geschätzten Mittwitterern über die Corona-Maßnahmen – ich ertrage es einfach nicht mehr.

Ich schreibe das hier hinein, falls jemand sich wundert und sich erinnert, dass ich noch einen Blog habe.

Interessanterweise ist Yasir einer der wenigen, der meine Entscheidung, zu Weihnachten in München zu bleiben, nicht kritisiert hat.

23.11.2021

Anscheinend habe ich mich beim Superspreaderevent nicht infiziert. In der Zeit gibt es übrigens einen Online-Rechner zur Ansteckungsgefahr bei Veranstaltungen in Innenräumen. Demnach war die Gefahr nicht so groß, wie ich befürchtet hatte. Andererseits ist Wahrscheinlichkeit eben nur wahrscheinlich und nicht gesichert, und so hat sich ausgerechnet eine Kollegin, die sich nur mühsam von den Vorteilen einer Impfung überzeugen lassen wollte, angesteckt. Selbst Risikopatientin, unterstützt sie ihrerseits im Alltag eine gemeinsame Freundin, die wohl eine der wenigen ist, die sich tatsächlich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Zum Glück hat sie von ihrer möglichen Infektion erfahren, bevor sie bei der Freundin eintraf, so dass diese wohl außer Gefahr ist.

Auf Twitter kam die Frage auf, wie eine Firma den Impfstatus der Belegschaft kontrollieren könnte. In dem Laden, an den ich meine besten Jahre verschwendet habe, wird der Impfstatus einmal überprüft und erst dann die Zugangskarte freigeschaltet. Die nicht Geimpften bekommen keine generelle Freischaltung und müssen einen negativen Test nachweisen um eingelassen zu werden. Man kann, wenn man wie ich im Home Office arbeitet, Impfnachweis und Betriebsausweis scannen und an die Personalabteilung senden, falls man wieder ins Büro muss oder will.

Die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, ist übrigens ein verdammtes Privileg. (Ja, ich fluche zurzeit viel, hier und anderswo.)

21.11.2021

Eigentlich wissen wir ja um die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen. Die meisten von uns haben als Kinder gelernt, dass Röteln, Masern u.ä. ansteckend sind und man nicht zu dem Freund spielen gehen darf, der mit Windpocken zu Hause liegt und sich fast zu Tode langweilt. Wir sind gegen Pocken geimpft. Wir haben vielleicht bei Verwandten auf dem Land Fälle von Schweinerotlauf miterlebt, sind gewarnt worden, dass die Übertragung von einem Betrieb auf den anderen schlimme Folgen haben kann und durften nicht bei anderen Bauern in den Stall. Wir haben in der Schule Berichte über Pestausbrüche in früheren Zeiten gelesen. Wir Lai*innen mögen nicht viele Einzelheiten über Viren wissen, wir sind aber mit dem Begriff „Ansteckungsgefahr“ vertraut. Warum hören wir nicht einfach auf die Leute, die sich mit Virologie auskennen? Ich würde mir von einem Virologen nicht in mein Fachgebiet hineinreden lassen, aber dafür bilde ich mir auch nicht ein, etwas über sein Fachgebiet besser zu wissen als er selbst. Es ist nun einmal in einer modernen Gesellschaft so eingerichtet, dass jeder Beruf Spezialkenntnisse erfordert. Wenn XYZ auf einem Gebiet ausgebildet wurde, studiert und geforscht hat, dann kann er sich immer noch irren, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich als Laiin irre, ist sehr viel größer. Also, hören Sie auf die Fachleute, wenn die Fachleute Impfungen empfehlen.

20.11.2021

Hatte ich nicht kürzlich von einem Superspreaderevent in der Firma erzählt? Am Freitag teilte Madame Chef mit, ein Kollege sei damals schon infiziert gewesen. Er habe sich bei seinem kleinen Sohn angesteckt, dieser wiederum bei seinem Freund, Sohn eines Arztes, der Corona leugnet und windige Atteste ausstellt. Symptome hatte der Kleine erst am Mittwoch, also einen Tag nach der Veranstaltung. Als Geimpfte ohne Symptome muss ich nicht in Quarantäne, bleibe aber freiwillig zu Hause und mache auf Anweisung des Betriebsarztes jeden Tag einen Selbsttest, bisher immer negativ. Ich hoffe das Beste für mich selbst und das werte Kollegium. Aber was muss sich ein Arzt und Coronaleugner, dessen Kind erkrankt, für Vorwürfe machen?

Nachtrag:

Etwas Positives gibt es zu vermelden: ich habe einen Termin für die Drittimpfung.

17.11.2021

„Wir werden mit Corona leben müssen“ hört man immer wieder. Möglicherweise, wahrscheinlich, aber was würde das heißen? Im Moment sieht es nicht danach aus, als könnten wir bald zu einem normalen Leben, wie wir es früher kannten, zurückkehren. „Mit Corona leben“ hieße dann wohl auf Dauer:

  • Maskenpflicht an vielen Orten
  • Abstandsregeln
  • Reise- und Kontaktbeschränkungen
  • Home Office
  • Home Schooling
  • regelmäßige Impfungen

Die Betonung liegt auf „auf Dauer“.

Mein Eindruck ist inzwischen, dass unsere Regierung absichtlich und sehenden Auges in die Katastrophe gerannt ist. Als hätte sie sich gedacht: So, jetzt lassen wir es einmal laufen, mal sehen, was passiert, wenn wir Einschränkungen aufheben, die Leute zum Karneval und sonst wohin gehen lassen… und dann sehen wir weiter. Leider geschieht dies auf Kosten zahlloser Erkrankter und auch Toter. Das ist gewissenlos.

Ich habe eine gewisse Resilienz entwickelt, die mir über den Tag hilft, aber mir fehlt die Energie für fast alles außer Alltagsdingen, Arbeit und bestenfalls zwei Stunden Tanztraining in der Woche (allein, ohne Anleitung, also coronakonform). Ich denke an meinen Tanzlehrer, der über die Jahre ein Freund geworden ist. Ich möchte ihm schreiben, aber „die gitanos lesen nicht“, und sie schreiben anscheinend noch weniger. Das ist ein Klischee, das lustigerweise auf ihn zutrifft.

29.06.2021

Auch das ist Urlaub: einfach nur dem Gewitter beim Gewittern zusehen.

„Zudem ist festzustellen, dass täglich im Schnitt 150 Personen am Tag nicht zu ihrem vereinbarten Termin erscheinen. Deshalb ruft die Landeshauptstadt München dazu auf: Wenn Sie keine Impfung im Impfzentrum mehr benötigen, weil Sie beispielsweise schon bei Ihrem Haus- oder Betriebsarzt geimpft wurden, stornieren Sie bitte den Termin im Registrierungsportal BayIMCO.“ (Quelle: Referat für Gesundheit, Stadtverwaltung München, auf muenchen.de) Denen geht es wohl zu gut.

Der Cousine hatte ich eine Mail zum Geburtstag geschickt, weil ich nicht zu einem längeren Telefonat aufgelegt war (und mit der Cousine dauert es immer länger). Aber, wie sie schreibt, war sie ohnehin ganztägig unterwegs und ich hätte sie telefonisch nicht erreicht.

Wenn diese Pandemie einmal vorbei ist, werde ich einerseits Interessanteres zu berichten haben, andererseits aber wohl auch weniger Lust und Zeit zum Tagebuchbloggen. Mal sehen, wie es dann hier weitergeht.

27.05.2021

Gespanntes Warten auf ein Testergebnis. Ein Schwangerschaftstest ist gar nichts dagegen. Große Erleichterung, anscheinend habe ich mich doch nur erkältet. Wie Sie mich kennen, bin ich aber trotzdem vorsichtig.

Freundin R, herzkrank und über 60, hat ihre erste Impfung bekommen und heftig darauf reagiert.

Ich lege Knoblauch in Olivenöl ein. Die ganze Wohnung duftet. Ich lüfte ausgiebig, obwohl ich den Duft mag, denn nach ein paar Stunden wird er unangenehm. Keine Ahnung, warum das so ist oder ob nur ich das so empfinde.

Auf Twitter erzählt jemand von einem Freund mit unklarem Aufenthaltsstatus, der sich nicht meldet, und ich erinnere mich an vergleichbare Erlebnisse vor Jahren. Sie schliefen im Hinterzimmer einer Kneipe, Handys waren noch nicht allgemein üblich und für viele ohnehin nicht bezahlbar. Ein paar Tage oder auch länger nichts zu hören, war normal. Wenn aber jemand zu einer Verabredung nicht erschien, wie damals D, hieß das in der Regel, dass er verhaftet und abgeschoben worden war. Wie wir nach mehreren Wochen erfuhren, wurde D wenige Tage nach der Abschiebung in seinem Heimatland erschossen.