Passbilder gemacht, sehr hässliche und billige Automatenfotos. Sie sind ja nur für die Krankenversicherungskarte und erfahrungsgemäß ohnehin kaum zu erkennen. Keine Ahnung, welcher Marketing-Dämelack sich den Begriff „Gesundheitskarte“ ausgedacht hat.

Meine Schwester kommt im Oktober und bringt mir die geerbten Stühle.

Wäre ich wohl im Dritten Reich emigriert? Wenn ich jung und unabhängig gewesen wäre, sicher. Ansonsten wäre es schwierig gewesen. Freund B hat darüber nachgedacht, Afghanistan zu verlassen, aber auch schon vor den Taliban. Er kannte nur Krieg und hat sich von den Taliban eine Art Frieden erhofft. Ich habe das vielleicht schon einmal erzählt. Ich glaube, er würde das Land auch jetzt noch gerne verlassen, aber er hat alte Eltern und eine jüngere Schwester, die studieren will und die er unterstützt, wo er kann. .

09.03.2022

Nachts am Schreibtisch friere ich wie ein Schneider. Mit Heizung kann ich nicht schlafen, und sie für die Stunde zwischen zwei und drei Uhr morgens, wenn ich sowieso nie schlafen kann, aufzudrehen, scheint mir wenig rationell. Also friere ich.

Ich hatte ja schon vor ein paar Monaten diesen Gedanken: es wird doch nicht jemand mitten in einer Pandemie einen Krieg anfangen?

Die niederbayerische Nemesis schwärzt mich im Teammeeting an, weil ich mich an eine noch nicht existierende Arbeitsanweisung nicht gehalten habe. Sie übrigens auch nicht, wie der Blick in den Dienstplan verrät. Auch sonst sind die Wortmeldungen unseres jungen High Potentials nicht gerade zielführend, aber dafür um so häufiger und umfangreicher. Tja, nun.

Susi Südzucker hat Angst vor dem Spätdienst. Ja, hatte ich vor vielen Jahren auch, aber ich habe mich bemüht, gelernt und auch einmal einen Rat angenommen. Letzteres ist aber, wie wir wissen, unter Susis Würde. Susi Südzucker scheint inzwischen die besondere Gunst der Gruppenleitung zu genießen. Das war zu erwarten und macht sie noch gefährlicher.

Am Nachmittag gehe ich in der Sonne zum Einkaufen, gieße die Balkonblumen und erledige Haushaltsdinge. Der beste Ex der Welt ist müde, menschenmüde von den vormittäglichen Kund*innen und den nachmittäglichen Musikschüler*innen.

Meine prima hermana (Cousine mütterlicherseits) hat Geburtstag. Wir sind nahezu gleich alt und fast wie Schwestern aufgewachsen. Dann kam das Leben dazwischen. Ich vermisse sie.

16.09.2021

Anderswo ist die Rede von Geschwistern, aber die Texte sind zu zart zum Verlinken. Eine Erinnerung darf ich Ihnen vielleicht erzählen: Als Kind verbrachte ich die Ferien häufig bei der Oma. In ihrem Haus lebten die Godel (Patin) und der Padde (Pate), der eigentlich nicht mein Pate war, sondern nur der Mann der Godel; außerdem die Cousinen, die man damals schon nicht mehr Basen nannte. Damals wünschte ich mir, die Godel wäre meine Mutter. Ein Jahr lang war sie es auch gewesen, denn meine Mutter hatte fast sofort nach meiner Geburt wieder zu arbeiten begonnen und ich blieb bei der Godel. Die Godel hatte eine fast gleichaltrige Tochter, die ich lange als meine eigentliche Schwester betrachtete. Später lernte ich den spanischen Begriff „prima hermana“, was eine Cousine mütterlicherseits bezeichnet, für mich aber klingt wie „schwesterliche Cousine“.

In Berlin zündet sich eine trans Frau an und erliegt später ihren Verletzungen. Wie sehr muss ein Mensch am Leben leiden, um einen solchen Tod zu wählen.

Der Wahlkampf widert mich an. Die Diffamierung des politischen Gegners hat erschreckende Formen angenommen. Wo bleibt, verdammt noch mal, der Anstand?

Den Talib locke ich zum ersten Mal aus der Reserve. Es bleibt dennoch schwierig.