Das Tagebuchbloggen geht mir auf die Nerven. Ich versuche es wieder mit den Wochenmäandern. Die Älteren unter Ihnen erinnern sich vielleicht, dass es diese Kategorie auf dem Vorgängerblog gab.

Inzwischen ist auch die schon länger geplante Zahnbehandlung beendet. (Die kürzlich entzündete Zahnwurzel war natürlich nicht geplant, sonst wäre ich schon früher erlöst gewesen.) Zum Ausgleich tut mir 24 Stunden lang der Nacken weh, weil der letzte der zu behandelnden Zähne ganz hinten im Oberkiefer sitzt und ich in sehr unnatürlicher Haltung verharren musste, damit die Zahnärztin überhaupt dorthin kam.

Hier ist die Sonne zurück; ich kann wieder barfuß am Schreibtisch sitzen. Ansonsten: zu wenig Regen in weiten Teilen Deutschlands. Barfuß am Schreibtisch kann ich nur deshalb sitzen, weil ich diesen Monat noch im Home Office bin. Einmal trage ich sogar einen Rock, aber einen aus schwerem Stoff, der so warm ist wie eine Jeans.

Herr von Oben, der Bauarbeiter im Home Office, ist ausgezogen. Nun wird die Wohnung von Grund auf renoviert, d.h. in puncto Baulärm bleibt alles beim alten. (Ich frage mich heute noch, was Herr von Oben eigentlich getan hat. Musste er noch üben oder nachsitzen, oder hat er sich Steinmetzarbeiten mit nach Hause genommen? Ich werde es nicht mehr erfahren, denn Herr von Oben scheint in den wohlverdienten Ruhestand getreten zu sein.)

Ich kaufe sündteuere Pfingstrosen. Als ich ein Kind war, schnitt meine Großtante im Garten Pfingstrosen und verteilte sie in riesigen Vasen im Haus. Der Duft war unbeschreiblich, die Sträuße ein Sinnbild des Überflusses. Im Garten wucherten die verbliebenen Blumen unverdrossen weiter. Auf dem Balkon treibt der Lavendel aus und will blühen. In den Töpfen mit den bienenfreundlichen Gewächsen wuchert etwas, das sehr außerirdisch wirkt.

Kleinchef hat endlich einen Termin für das Mitarbeitergespräch gefunden. Ich überlege, ihm in aller Freundlichkeit cuatro palabritas claras (ein paar warme Worte) zu sagen.

04.04.2022

Der Paravent auf dem Balkon ist umgestürzt. Ich mache mir nicht die Mühe, ihn aufzurichten. Solange das Wetter ist, wie es ist, wird er wieder umstürzen. Außerdem brauche ich gerade ohnehin keinen Sonnenschutz.

Kriegsverbrechen russischer Soldaten in der Ukraine. Sie gehen mir nahe, aber ich kommentiere sie so wenig wie möglich. Ich kann gar nichts tun, das ist die banale und schreckliche Wahrheit. Was sollen also Worte?

Ich lese, ich schreibe, ich lenke mich ab. Das Mütterlein fantasiert vom Tyrannenmord. Wäre sie seinerzeit alt genug gewesen, wäre sie über die Grenze gegangen und hätte sich der Résistance angeschlossen, davon bin ich überzeugt. (Ein Hitlervergleich. Das gehört sich nicht, ich weiß.)

Wenigstens habe ich den Thymian über den Winter gebracht, und auch der Rosmarin hat sich ganz prächtig erholt. Man muss doch einen Fuß vor den anderen setzen. Diese Erde wird noch da sein, wenn wir alle längst vergangen sind. Das ist auf eine gewisse Weise sogar tröstlich.