Groß war der Sommer nicht, zumindest nicht hier. Aber als ich auf den Balkon trete, umhüllt mich die Nachsommerluft mit geradezu zärtlicher Wärme. Der Himmel wäre einer für Baal. Ich muss an eine Frau denken, die einst im Gras lag, weit weg von Europa, den Hut auf dem Kopf, die Zigarre im Mund, mit offenen Augen.

Draußen kläfft ein Hund, der Tonlage nach ein Rehpinscher, und eine Frau kreischt. Die Stimmen sind fast gleich.

Über der Kirche hängt ein blasser Mond. Wie meine Mutter es mir gezeigt hat, zeichne ich in Gedanken ein Z, aber in Sütterlinschrift.

Anderswo ist die Rede von Hochzeiten ohne Brautkleid. Mein Alptraum als junge Frau war: im Hochzeitskleid verlassen werden. Es kommt wohl vor, dass Bräutigame und auch Bräute nicht auftauchen..

Den einzigen Heiratsantrag meines Lebens bekam ich übrigens in der Wohnung, in der ich jetzt wohne. Wir lagen auf einer Luftmatratze auf dem Balkon, und er, dessen Deutschkenntnisse damals noch nicht perfekt waren, fragte unvermittelt: „Willst Du mit mir heiraten?“ Ich hielt es für einen Scherz und lehnte lachend ab. Jahre später erzählte er, er habe es durchaus ernst gemeint. Woher hätte ich es wissen sollen bei dem Hallodri?

Freund B rät auf Twitter einer Muslimin ab, eine Ehe als Zweitfrau einzugehen. Diese Dinge werden in seinen Kreisen offen diskutiert, auch auf Englisch, sonst würde ich es nicht mitbekommen.