31.01.2022

Trüb und windig.

Ich mache den Einkauf für die nächsten paar Tage und bringe unterwegs Recycling-Müll weg. Zuvor habe ich mit Freund B per WhatsApp kurz über Hochzeitsbräuche in Afghanistan (oder nur bei den Paschtunen?) gesprochen und außerdem das paschtunische Wort für Schnee gelernt: واوره . (Versuchen Sie, „wawra“ englisch auszusprechen, das kommt ungefähr hin.) Danach lerne ich eine knappe Stunde Paschtu und habe am Ende mehr Fragen als Antworten. Die Aussprache fällt mir leicht, bis auf einen Buchstaben, der klingt wie ein stimmhaftes ch: غ . Meine Schreibübungen hingegen erinnern an die Spuren einer besoffenen Henne, die im Mist kratzt.

Im Büro viel zu tun. Eine Autovermietung bereitet mir Kopfzerbrechen, oder vielleicht ist es auch nur der Kunde, der nicht verstehen kann oder will. Ansonsten Kleinkram, fast nur einfache Fälle. Mir fällt in einer der Akten von Susi Südzucker ein Fehler auf, und das nicht zum ersten Mal. Es ist immer derselbe Fehler und auch keine Kleinigkeit. Der Anstand geböte es, sie entweder darauf hinzuweisen oder aber den Vorgesetzten zu informieren. Ich habe aber weder zu dem einen noch zu dem anderen Lust. Am Ende muss ich sie noch nachschulen, und wir alle wissen, dass Susi Südzucker von mir keinen Rat annimmt. Schließlich schreibe ich ihr eine kurze Notiz mit ungefähr diesem Inhalt: da sie Schritt eins bereits gemacht hätte, ginge ich davon aus, dass sie Schritt zwei auch macht, und gebe ihr die Akte zurück.

Am Abend gibt es Rosenkohl mit Resten vom Huhn, und danach bin ich – wie meine Cousine es ausdrucken würde – satt und zufrieden.

10.01.2022

Frühdienst. Notruf ganztägig. Die Menschheit war über Weihnachten verreist.

Um mich herum werden Leute pathetisch, von denen man es nie erwartet hätte. Bringen das die Zeiten mit sich oder ist das ganz unabhängig davon eine neue Mode? Dieses Blog ist allerdings mitunter auch nicht frei von vermutlich meist unangebrachten Pathos.

Ich denke über das Tanzen nach, und dass ich in absehbarer Zeit aufhören werde. „Cintura p’arriba“, also von der Taille aufwärts ist alles wieder wie es sein soll, aber Unterschenkel und Knöchel sind von einer unerklärlichen Schwäche befallen. Ist das das Alter, mangelndes Training oder etwas ganz anderes? Außerdem werde ich meinen Übungsraum verlieren und, solange Corona herrscht, wohl keinen neuen suchen.

Um zu verstehen, lerne ich Paschtu. Das ist keine Sinekure, zum ersten Mal in meinem Leben muss ich mich wirklich anstrengen, um eine Sprache zu lernen. Paschtu gehört zu den indoeuropäischen Sprachen. Handelte es sich um eine altaische Sprache, hätte ich wohl gar nicht erst angefangen. Gegen diese Sprachgruppe habe ich nach genau drei Türkischlektionen eine ebenso heftige wie irrationale Abneigung entwickelt. (Ich bitte alle Mitlesenden mit altaischer Muttersprache um Entschuldigung, aber es geht mir mit Türkisch wie mit Milchreis: ich bringe sie beide nicht herunter. Keine Ahnung, wieso.)