18.01.2022

Eine Nachricht in eigener Sache: das Vorgängerblog „Geschichten und Meer“ ist auf Dauer geschlossen. Es kamen wieder einige Anfragen von potenziellen Leser*innen. Ich fühle mich geehrt, aber das Blog bleibt zu.

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Irgendwann, als ich noch jung war, wollte ich Sprachen sammeln. Sehr weit bin ich nicht gekommen. Wenn ich meine Muttersprache mitrechne, sind es bisher erst fünf, die ich einigermaßen fließend spreche. Andere verstehe ich teilweise oder kann sie zumindest etwas lesen. In manchen kann ich ein kurzes Gespräch radebrechen. Sprachen zu lernen, die der Normalbürger nicht spricht, die fast nur noch schriftlich existieren wie z.B. Latein, erscheint mir zumindest im Moment sinnlos. Vielleicht ändere ich meine Meinung noch einmal, wer kann das wissen? Ja, sogar mir ist klar, dass Latein wichtig für das Quellenstudium ist, aber derzeit brauche ich es nicht in meinem Leben, also ist es in die hinterste Kammer meines Hirns verschoben worden.

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Jemand bittet mich um Geld. Ich lehne die Bitte ab. Das gehört sich nicht, aber es handelt sich um eine Person, die ich jahrelang immer wieder mit kleinen und großen Beträgen unterstützt habe. Jetzt ist es genug, glaube ich. Während des größten Teils meines Erwachsenenlebens habe ich gut verdient und sparsam gelebt, so dass ich den Hallodris in der eigenen Familie und im Freundeskreis häufig aushelfen konnte, ohne Fragen zu stellen. Irgendwann konnte ich aber nicht mehr geradestehen für den finanziellen Leichtsinn anderer Menschen. Für sonstigen Leichtsinn übrigens auch nicht, deshalb wollte ich irgendwann auch keinen Mann mehr. Ich bin so erzogen: die Frau muss stark sein, darf aber dem Mann die Zügel nicht zu fest ziehen. Der Mann gibt den Hausherrn, aber letztlich liegt die Verantwortung bei der Frau. Nicht, dass wir da, wo ich herkomme, Männer besonders ernst nähmen oder ihnen allzuviel zutrauten, aber die Fassade muss gewahrt bleiben. Ich konnte damit nicht umgehen, noch nie.

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Das Buch von Francesca Melandri, das gestern beim Ausmisten meines Bücherregals auftauchte, habe ich anscheinend noch nicht gelesen, denn die handelnden Personen sind mir unbekannt.

10.01.2022

Frühdienst. Notruf ganztägig. Die Menschheit war über Weihnachten verreist.

Um mich herum werden Leute pathetisch, von denen man es nie erwartet hätte. Bringen das die Zeiten mit sich oder ist das ganz unabhängig davon eine neue Mode? Dieses Blog ist allerdings mitunter auch nicht frei von vermutlich meist unangebrachten Pathos.

Ich denke über das Tanzen nach, und dass ich in absehbarer Zeit aufhören werde. „Cintura p’arriba“, also von der Taille aufwärts ist alles wieder wie es sein soll, aber Unterschenkel und Knöchel sind von einer unerklärlichen Schwäche befallen. Ist das das Alter, mangelndes Training oder etwas ganz anderes? Außerdem werde ich meinen Übungsraum verlieren und, solange Corona herrscht, wohl keinen neuen suchen.

Um zu verstehen, lerne ich Paschtu. Das ist keine Sinekure, zum ersten Mal in meinem Leben muss ich mich wirklich anstrengen, um eine Sprache zu lernen. Paschtu gehört zu den indoeuropäischen Sprachen. Handelte es sich um eine altaische Sprache, hätte ich wohl gar nicht erst angefangen. Gegen diese Sprachgruppe habe ich nach genau drei Türkischlektionen eine ebenso heftige wie irrationale Abneigung entwickelt. (Ich bitte alle Mitlesenden mit altaischer Muttersprache um Entschuldigung, aber es geht mir mit Türkisch wie mit Milchreis: ich bringe sie beide nicht herunter. Keine Ahnung, wieso.)